2009

Dezember

das Schwert des wirkens

alles was lebt wird vom tod begleitet,
alles was stirbt wird vom leben begleitet.

einige menschen denken, dass ein schwert ausschliesslich dem sinn des zerstörens dient. doch ein schwert dient niemandem, es ist einfach sich selbst. wir können dieses sich selbst sein auch als aufrecht, unbeugsam, klar, offen, nackt, unmissverständlich, kompromisslos, unterscheidungs-kräftig, haltungbewahrend, schützend, kraftvoll, mutig, entschlossen und tatkräftig sehen. der mensch gibt ihm sinn, das schwert selbst will von sich aus nichts. der konflikt, welcher durch haben-wollen und vermeiden-wollen entsteht, führt zu wiederständen gegenüber dem natürlichen fliessen des lebens und diese wiederstände führen zu kampf und krieg. es ist dieser immense drang des menschen zu „wollen“, welches das schwert verdirbt und zur waffe degradiert.
wir sollten aus den schwertern des wollens schwerter des wirkens schmieden. ein schwert des wirkens „lebt“ seine eigenschaften, es setzt diese nicht ein. es wirkt auf natürliche weise seiner art entsprechend. es bekommt nicht einen sinn übergestülpt und wird nicht nach dem willen eines benützers eingesetzt. seine eigenschaften wirken lebenserhaltend und nährend, aufbauend und kraftspendend. es zu halten und mit ihm zu tanzen ist ausreichend. es wirkt von alleine, aus sich selbst heraus. es ist nicht zum benutzen geschaffen. es will dienen, sich hingeben, aus seiner ihm innewohnenden wirkungskraft heraus. das leben geschieht. es entfaltet sich. niemand muss die sonne am morgen früh an den horizont schieben, damit sie aufgeht. es liegt in der natur der sonne alles zu beleuchten. wir müssen die sonne nicht am morgen an und in der nacht ausschalten. es ist die erde, welche sich um die sonne dreht und das ganze theater veranstaltet, nicht die sonne.
der fixierung unseres verstandes besteht darin, dass er, da er objektbezogen denkt, glaubt, dass alles was sich bewegt von irgendwoher kommt und nach irgendwohin geht. doch dies gilt nicht für das leben selbst. dies gilt nicht für wesensnatur. das leben bewegt stets, doch es bewegt „sich“ nicht. die natur des lebens ist „sein“ nicht tun. das leben erträumt zeit-raum und objekte die darin erscheinen und erzeugt so die grundlage der wandlung. durch geburt und identifikation geraten wir in den wirbelsturm der wandlung. dies ist unausweichlich. doch in der tiefe des ozeans gibt es keine wellen. diese sind an der oberfläche. der wind, die gezeiten, die temperatur, die schwerkraft bewegen den ozean. doch der ozean selbst ist still und tief. er ist nicht aus sich selbst heraus aktiv, er entfaltet seine wirkungskräfte und stellt diese zur verfügung.
dasselbe gilt für das schwert des wirkens. es zeigt dem menschen wieder seine aufrechte haltung, seine würde, denn die wirkungskräfte des lebens entfalten sich weise. dies gilt es zu entdecken.

November

die dinge einfach tun - ohne etwas hinzuzufügen

bunte herbstblätter
wirbeln um meinen besen

betrachten wir unser handeln etwas genauer, so können wir vielleicht entdecken, dass unser tun sehr beladen ist. unser handeln trägt vielleicht stets einen rucksack voller klebrigen zeugs mit sich rum.
bunte herbstblätter. dein besen fegt sie zusammen. jemand fragt dich warum du dies tust. sofort werden dir viele beweggründe dazu einfallen. damit niemand auf den blättern ausrutscht und hinfällt. damit der weg schöner aussieht. damit die blätter nicht die kanalisation verstopfen. damit wir sie nicht mit den schuhen in die wohnung tragen und so weiter.
all unsere beweggründe sind klebriges zeugs, das an unserem handeln haftet. es spielt uns weniger eine rolle was für einen grund wir zum handeln haben, als dass wir einen grund zum handeln haben. handeln ohne grund? undenkbar! hast du schon einmal in erwägung gezogen die dinge einfach zu tun, ohne etwas hinzuzufügen? einfach so, nur weil es gerade durch dich jetzt hier geschieht. nicht „um zu“ sondern nur weil es geschieht. wir denken vielleicht, dass wir so etwas nur mit sinnlosen dingen tun können, wir denken dabei an spielende kinder und dass eben sinnvolle dinge beweggründe haben müssen. so. aha und warum?
was für eine befreiung „es“ geschehen zulassen, ohne etwas hinzuzufügen. es geschieht und es ist gut so. basta.
es ist immer „es“, das geschieht und es lacht über unsere beweggründe. die dinge benötigen keine ich’s und deren rechtfertigungen um zu geschehen. natürlich hat alles was geschieht eine ursache, doch es ist nie „meine“, „deine“ oder „unsere“ ursache. „mein, dein, unser“ ist nur geklautes zeugs, identifikationen halt. unsere beweggründe sind hohle, leere interpretationen eines ewig schnatternden kommentatoren in unserem verstand. aber hoppla, wo bleiben denn da unsere wichtigkeiten; und überhaupt glaube ich ja, dass alles was ich tue „ich“ tue. auch nur klebriges zeugs! das ich tut überhaupt nichts. das ich hat noch nie etwas getan. alles was das ich kann ist herumzumaulen und sich aufzuplustern. die wirkliche arbeit wird nie von diesem abgespaltenen identifikations-gedanken getan. doch wer handelt wirklich, wenn es nicht das ich ist? wenn du einen wissenschaftler zur verzweiflung bringen willst, so könnte es diese frage locker schaffen.
doch wer sind wir denn überhaupt noch, wenn wir nicht aus unseren beweggründen heraus handeln und können wir dann überhaupt noch handeln?
ha! versuche es, handle nach herzenslust, aber lass deine beweggründe, deine kommentare und interpretationen dazu weg!
bunte herbstblätter
wirbeln um meinen besen

Oktober

das schwert das leben spendet

in unserem dasein wirkt viel zu oft das schwert, welches leben nimmt. Es sind dies die situationen in denen wir mit missmut, verzagtheit, gereiztheit, unterdrückung, verspanntheit, kraftlosigkeit, ohnmacht und mutlosigkeit reagieren und agieren, in denen wir uns im wahrsten sinne des wortes „ver-halten“. Während dem sitzen in zazen drückt sich dies dann vielleicht als kraftlose entspanntheit aus. Wir dämmern vor uns hin. Oder als verkrampfte wachheit. Chronische, unbewusste verspannung. Diese prägungen verstecken sich in uns schon derart selbstverständlich, dass sie vielleicht nicht mehr in unser bewusstsein treten. Es ist dann eben das, was wir unter entspanntheit und wachheit verstehen. Wir hinterfragen sodann unsere haltung nicht und wenden uns entweder mit rechtfertigungen von dem schwierigen unterfangen meditation ab, oder verbringen viele jahre mit immer wieder neuen und immer wieder frustrierenden anläufen doch noch ins meditieren „reinzufinden“. Dabei sind diese prägungen ja wahrscheinlich nicht die einzigen identifikationen, welche sich als normalzustand tarnen.
Viel zu selten in unserem dasein hingegen wirkt das schwert, das leben spendet. Es sind dies die situationen in denen wir mit unserem leben energieaufbauend und energieerhaltend umgehen, in denen wir uns spontan und natürlich bewegen, keinen prägungen folgen und uns nicht mit vorstellungen identifizieren - in denen wir uns nicht „ver-halten“.
An stelle kraftloser entspanntheit und angespannter wachheit tritt nun im zazen kraftvolle entspanntheit und entspannte wachheit.
Unsere ich’s empfinden kraftvolle entspanntheit als ein paradox. Sie können sich nur in getrenntheit erfahren und leben daher in permanenter angst. Entspannung können sie zwecks selbsterhaltung nur bis zu einem gewissen grade zulassen und das auch nur, wenn sie die lebensenergie davon überzeugen die energie runterzufahren. Sie lassen bildlich gesprochen die luft raus. Eine andere art der entspannung kennen sie nicht. Ebenso empfinden sie entspannte wachheit als paradox, da sie wachsein nur mit anstrengung und mit „auf der hut sein“ assozieren.
Unsere ich’s sind in konstanter selbstbestädigungsnot, da sie nur als trennungsgedanken und identifikationen existieren und sie möchten vor allen dingen nur eines: um jeden preis überleben.
Doch durch diese einsichten davon überzeugt zu sein, sein ich loswerden zu müssen ist eine schlimme krankheit. Ausserdem ist es ja nicht nur eines, sondern ein ganzes, sich stets veränderndes gewusel an ich’s, mit denen wir uns identifizieren. Wir sollten sie lieber sehr aufmerksam und doch anteilnahmslos beobachten, denn sie können uns aufzeigen wie tief unsere verstrickung mit verblendung und identifikation wirklich ist. Doch auch das scheint voller widersprüche für die ich’s zu sein.
Genau darum sitzen wir in zazen, damit unsere ichs arbeitslos werden, ohne in panik zu geraten.

September

gedankenleere – leerer geist

Ohne ziel gibt es keine langen wege.
Egal was wir mit einem musikinstrument tun, es wird geräusche erzeugen. Sind die geräusche angenehm, so nennen wir sie töne. Sind die geräusche unangenehm so nennen wir sie lärm.
Stille ist nicht das gegenteil von geräuschen. Stille können wir nicht erzeugen. Stille ist die natur der schönheit. Stille umfasst alles.
Unser geist mag uns schwierigkeiten machen, denn er ist voller lärm. In unserer heutigen zeit erleben wir lärm aussen, lärm innen, lärm überall. Wenn wir des lärmes überdrüssig sind, so möchten wir ihn vielleicht endlich zur stille führen. Wir möchten die fülle des lärmes reduzieren. Wir möchten unseren geist entleeren. Aber wohin? Von wo nach wo?
Der geist kann nicht geleert werden, denn die natur des geistes ist leere.
Alle dinge sind leer, auch der lärm ist leer. Darum sagen uns seit jeher die meister, dass das erleben unseres leeren geistes erfüllung und glückseligkeit ist.
Leider wurde über jahrtausende diese tatsache immer wieder falsch interpretiert und dies geschieht auch weiterhin. Tausende von spirituelle sucher haben sich in den glauben verbohrt den verstand oder den geist entleeren und gedankenfrei halten zu müssen. ein gedankenloser, leerer verstand wurde zum allgemein gültigen erleuchtungs-ideal erhoben. Der wahn der enthaltsamkeit hat auch in diesem bereich gnadenlos zugeschlagen. Gedankenausrottung ist eine sehr weitverbreitete geisteskrankheit und kann zu schweren störungen führen!
Die natur des geistes ist leer, weil alle dinge leer sind, weil die natur des wesens leere ist. Jedoch ist leere ein nicht ganz geschickt gewählter ausdruck, obschon es sehr verständlich ist, dass die meister gerade ihn wählten, denn die tendenz des menschen ist die dinge anzuhäufen – habenwollen. Die tendenz des menschen ist alle dinge mit begriffen, bedeutungen und geschichten aufzuladen und daran hängen zu bleiben – anhaftung. Also versuchten sie, so gut es ging, unseren wahnvorstellungen etwas wirksames entgegen zu setzen. Das wort „leere“ sollte wie ein dorn wirken mit dem wir den dorn der verblendung, die anhaftung, aus der wunde holen können. Nach der operation, so war gedacht, sollten wir jedoch beide dornen wegwerfen und nicht am rettungsdorn kleben bleiben. Dieses erneute anhaften war nicht eingeplant, doch der mensch hat immer das gefühl „es“ irgendwie zu schaffen, erreichen, oder erzwingen zu müssen und sieht nicht, wie er sich selbst im wege steht.
Die leere unseres geistes kann durch nichts erreicht werden, kann von nichts gestört werden. Unser geist ist weit genug um die ganze existenz, ja sogar das eigene aufscheinen zu umfassen. denn alles ist das eine.
Anstatt gedanken abschaffen zu wollen würden wir besser die wurzeln unserer verstandesüberaktivität untersuchen, denn wie immer, wenn etwas ansteht, so packen wir wahrscheinlich das falsche an. Natürlich ist lärm jeder art unangenehm. Natürlich sollte sich die bewölkung unseres geistes lichten. Natürlich können wir nichts anderes als unser bestes tun und lassen. Doch mit jedem ziel wird ein irrweg geboren. Dies gilt es zu bedenken.
Wenn wir uns auch nur ein haarbreit weg vom „einen“ bewegen, so landen wir doch hart in der trennung.
Die kunst des lebens liegt darin, die dinge, welche sich bewegen lassen in einfachheit, angemessenheit und übereinstimmung so zu bewegen, wie sie sich natürlich bewegen lassen.

August

verstand im ruhemodus

ganz wichtig ist die verstandesruhe. Ein verstand der pausenlos, oder fast pausenlos arbeitet ist zutiefst versklavt und eingekerkert. Seine fähigkeiten, sein spielraum, seine kreativität ist sehr gering und bewegt sich fast ausschliesslich in einem engen konditionierten rahmen.
Die idee, dass wir nur tätig und geistig wach sein können, wenn der verstand rattert ist ein grosser irrtum und ebenso verdreht wie so viele weitere annahmen. Der verstand „im ruhemodus“, das heisst anwesend aber nicht arbeitend, ist reiner, schöpferischer geist. Die idee den verstand als werkzeug des geistes zu verstehen basiert auf einem trennungsgedanken. In wirklichkeit kann in dieser welt nichts unabhängig und getrennt existieren. Sich seines ursprunges bewusst und gut ausgeruht arbeitend ist der verstand weit kreativer und überraschend lernfähiger als unter end- und pausenlos ratterndem bearbeitungszwang. Kreatives, schöpferisches und spielerisches denken, solange wir die mentalen schöpfungen nur provisorisch verdichten, beflügelt und begeistert unseren geist. Ein leidensprozess wird erst daraus, wenn wir unsere mentalen schöpfungen als absolut, real, ewig und unumstösslich betrachten, das heisst, wenn wir von unseren ideen permanente gültigkeit erwarten und durch überzeugung, identifikation sowie fixierung diesen wahn verdichten. Ein bekannter künstler formulierte es so: „Der kopf ist rund, damit das denken die richtung wechseln kann.“
Unsere köpfe scheinen jedoch meistens eher quadratköpfen zu gleichen und dem denken einbahnstrassen zu öffnen. Doch das denken hat höhere fähigkeiten als argumentationen mit wahrheiten zu bepflastern. Die kunst der argumentation funktioniert auch unabhängig von überzeugungen und eingenommenen positionen. Unserem verstand ist es möglich mehrspurig, vielschichtig und diametral zu denken, sowie gleichzeitig gegenteilige, wiedersprüchliche und miteinander unvereinbare standpunkte zu vertreten, sowie darzulegen. Weiter ist es unserem denken möglich unlogisches gedankengut in logisches denken einzubauen, falls wir uns dadurch kreative impulse erhoffen.
Durch entgrenzung von ichwahn, eingefahrenen, fixierten glaubensinhalten und eingebildeten überzeugungen, öffnet sich der verstand seinem ursprung und verliert die ihm fälschlicherweise zugewiesene und ungeliebte rolle als beschränktes werkzeug unseres geistes. Der ursprung des verstandes ist schöpferischer geist und als solcher buddhanatur. Jedoch meistens, wenn unsere ansichten und meinungen regieren, neigen wir dazu uns zu trennen und die so erschaffenen anderen oder das andere zu kritisieren oder zu vergöttern. Unser verstand ist nicht massstab aller dinge und nicht stolperstein auf spirituellen wegen. Dies wird er erst, wenn wir ihn von seinem ursprung trennen.
Die hassliebe gegenüber unserem verstand hat die menschheit in arge schieflage gebracht. Wir finden aus diesem dualen konflikt nicht heraus indem wir eine der beiden seiten vertreten, zelebrieren oder vergöttern, sondern indem wir die trennungsgedanken überwinden und alles existierende in das eine zurückführen.

Juli

glückliches sein

all unser streben richtet sich an das grundbedürfnis unseres lebens, nämlich glücklich zu sein. Wir reden hier nicht von kurzzeitigen glücksgefühlen. Alle wesen wollen glücklich sein, dauerhaft glücklich. Alle errungenschaften dienen diesem vermeintlichen ziel, egal wie unterschiedlich glück definiert wird. Alle unser bemühungen bewegen sich im sog der sehnsucht nach glücklichem sein. Unendlich viele wege und strategien wurden und werden entworfen und verworfen, wiederholt, neuentdeckt, entmottet, entrümpelt, entstaubt, zeitgemäss aufgepept, mit den neuesten wissenschaftlichen erkenntnissen versehen und sind doch zum scheitern verurteilt. Denn es gibt keinen weg zum glücklichsein. Ein tibetischer spruch besagt dies sehr schön: Es gibt keinen weg zum glücklichsein, glücklichsein ist der weg.
Das wort glücklichsein beinhaltet den schlüssel zum glück. Das „sein“. Sein ist präsenz, gegenwärtigkeit, hiersein.
Glücklichsein ist frei von bedingungen und handlungsweisen, ist frei von erreichbarkeit und kann daher auch nicht manipuliert werden. Niemand kann glück erlangen, da es ausdruck unseres wesens ist. Unser wesen ist im grunde glückliches sein.
Hier stellt sich natürlich die frage, warum wir bei diesen wunderbaren voraussetzungen nicht alle glücklich sind. Die antwort ist nicht kompliziert, auch wenn es sehr umfangreiche literatur zu diesem thema gibt und diese oft schwindelerregend vielschichtig behandelt wird.
Die antwort, ist einfach, auch wenn sie in der lebendigen umsetzung grosse und ausdauernde hinwendung an unser ursprüngliches hiersein bedarf.
Der mensch betrachtet sich selbst als getrenntes einzelwesen und identifiziert sich mit unzähligen erscheinungen, vorstellungen und ideologien.
In unserem zusammensein herrscht eine jahrtausendalte kultur des misstrauens gegenüber sich selbst, sowie gegenüber allem und jedem in dieser welt. Wir sind derart damit vollgesogen, dass wir uns dieser grundstimmung meist nicht mehr gewahr sind. Auch ein ab und an aufflackernder, oberflächlicher teilzeitoptimismus mag diese schicht nicht wirklich aufzureissen, denn unzählige projektionen, vorstellungen und glaubenssätze beherrschen unser leben. All diese daraus entstehenden bedingungen, ansprüche und forderungen, welche wir an uns selbst, an das leben, an alle wesen und an alle umstände richten, verhindern unser glücklichsein. Die überzeugung als getrenntes einzelwesen zu leben ist die grundverursachung dieses dilemmas.
Die suche nach dem glück ist unerfüllbar. Glück kann nicht gefunden werden. All das, was wir von natur aus sind kann unmöglich gefunden werden. Wie sollte es auch, es ist nie verloren gegangen. Das was wir sind ist immer hier. Der schatten unserer vorstellung „jemand“ zu sein verdeckt das offensichtliche. Wir können also auch sagen: Weil wir uns selbst im wege stehen suchen wir wege zu unserem glücklichsein.
Liebe, freiheit, glückseligkeit, ganzheit, vollkommenheit, leere, gewahrsein - ist eines - ist unsere wesensnatur.
Das glück findet sich selbst, wenn der sucher verschwindet. Dieses verschwinden bedingt jedoch die vollständige und umfassende annahme des menschlichen lebens, in tiefem berührtsein. Das verschwinden der ichbezogenheit sollte nicht nur selbstlosigkeit hinterlassen, sondern eine öffnung für präsenz und gewahrsein, um in lebendiger stille aufzublühen.
Die lebendige anwesenheit in bewusster ganzheit ist tiefer als zeitlich begrenztes glücklichsein – sie ist glückseligkeit.

Juni

unser ungeliebter verstand

innerhalb aller religiösen traditionen taucht immer wieder die hartnäckige idee auf, dass unser verstand, als gedankenwerkstätte und als quelle der gedankenflut, verursacher der träume, illusionen und anhaftungen, ja als verursacher unserer spirituellen behinderungen schlechthin betrachtet werden kann.
Es ist jedoch am menschlichen verstand, diesem wunderwerk, nichts falsch.
Der menschliche verstand ist wunderbar und unfassbar vielschichtig, sowie genial abgestimmt auf die natur des lebens, wie alles am menschen. Leider wird der verstand von den meisten menschen als geschlossesnes system benutzt, als bewahrer und verwalter von selbstbegrenzendem gedankengut. Dieses system kann jedoch auch offen und grenzenlos weit in aktion treten. Es ist ein grossartiges werkzeug, dessen möglichkeiten bisher nur in sehr geringem ausmasse erkannt und eingesetzt wurde und wenn, dann eben auf bizarre art und weise. Seine meist enge, kleinkrämerische und verbohrte wirkung verdankt der verstand nur seiner benutzerdefinierten handhabung.
Der verstand ist ein delikates instrument und benötigt intelligenten umgang, das heisst einen offenen, unfixierten, toleranten spielraum. Der verstand ist eine ausführende instanz und passt sich so gut es eben geht den geistesinhalten der herrschenden benutzerdefinition an.
Es sind nicht die schwierigkeiten des verstandes, welche uns zu schaffen machen. es ist eher umgekehrt, wir machen unserem verstand zu schaffen, denn es sind unsere selbstbilder, weltbilder und anhaftungen, welche den verstand in eine fixe form einzupressen suchen und dadurch verzerrte, unnatürlich wirkungen erzeugen. der verstand wehrt sich so gut er kann. De gedankenflut in unserem verstand, kann als verarbeitungsversuch verstanden werden, denn sie entspricht unserer hektischen lebensweise und überschwemmung von eindrücken in einem meist reizüberfluteten umfeld.
Die zeit rennt und alle rennen mit …! Ist es nicht erstaunlich wie gut wir trotzdem immer noch funktionieren?
Wenn wir den verstand mit intelligenter gelassenheit (ge-lassen-heit, d.h. in ruhe lassen) arbeiten lassen, so wird er sehr effizient und hilfreich seine wohlwollende und segensreiche funktion ausüben. seine natürliche funktionsweise ist eins mit dem wesen unserer natur, mit dem wesensgrund des lebens.
Egal wie wir mit gedanken umgehen, seien sie überflutend, fixierend, peinigend, oder freudebereitend, aufregend, lustbereitend, seien sie vergangenheitsbezogen oder zukunftsbezogen wir werden damit immer auf das schlachtfeld unseres haben-wollens, unseres nicht-haben-wollens und unseres anhaftens ziehen.
Betrachten wir all die vielen techniken und verhaltensweisen, welche zu einer verstandesharmonisierung, oder beruhigung führen sollen in diesem licht, so werden wir entdecken, dass nur dann frieden einkehrt, wenn wir alle gedanken, unmittelbar während ihrem erscheinen, ohne sie zu berühren in die stille unseres gewahrseins zurückfallen lassen.
Denn das ist es, was auch wirklich geschieht. ob wir uns dessen gewahr sind oder nicht, ob wir uns damit verstricken oder nicht, alles erscheint aus der stille unseres wesens und fällt in die stille unseres wesens zurück.
Erlauben wir doch einfach den gedanken, wenn sie kommen auch wieder zu gehen.