2012

Dezember

Bejahendes Sein

Jedes von dir geäusserte Ja
ist ein Ja zu dir selbst

Mit jedem Ja
zieht eine göttliche Melodie
durch dein Wesen

Hier eine hilfreiche Übung:
Abends kurz vor dem Einschlafen und morgens kurz nach dem Aufwachen. Ruhiges, jedoch tiefes und langgezogenes Atmen. Wenn möglich durch die Nase.
Linke Hand auf dem Solarplexus liegend, rechte Hand auf dem Herzchakra. Während dem Ausatmen ein langgezogenes, dem Atem folgendes, „Jaaaaaaaa“ flüstern, oder denken. Dieses „Ja“ erzeugt ein aufsteigendes Gefühl des Einverstandenseins. Dieses Einverstandensein umfasst bedingungslos unsere gesamte Existenz ohne darüber Vorstellungen und Ideen zu erzeugen.
Übung mehrmals wiederholen.
Für Skeptiker: Diese Übung hat nichts mit positivem Denken zu tun. Der Wortlaut Ja mit seiner tiefen Verwurzelung im kollektiven Bewusstsein hat eine tiefgehende energetische Wirkung.
Wem aus spirituell-fortgeschrittenen Gründen das Ja-Denken oder Flüstern unmöglich erscheint, kann dieses auch mit einem inneren Lächeln ersetzen.
Es ist nicht modern oder cool „Ja“ zu sagen. Niemand will in unserer Gesellschaft ein Jasager sein. Freiheit und Unabhängigkeit wird im Allgemeinen eher beim Neinsagen empfunden. Sich zu verweigern wird oft für persönliche Stärke angesehen. Doch dieser Hang zum Neinsagen stärkt meistens nur unsere Trennungsgedanken und unser egoistisches Verhalten. Viele Menschen durften ihre Trotzphasen in der Kindheit nicht wirklich ausleben und bleiben ihr Leben lang in einer unterschwelligen Verweigerungshaltung hängen. Dieses Muster passt ganz vorzüglich zu den leider immer noch vorherrschenden, egoistischen, marktwirtschaftlichen und politischen Tendenzen unserer Zeit.
Die Wirklichkeit unseres Wesens kennt jedoch kein Nein. Es ist wichtig diese Aussage zu verstehen. In unserer Wesensnatur sind wir das Leben, das sich lebt. Es gibt keine Trennung zwischen der Einzigartigkeit unserer Erscheinung und dem Leben als Ganzes. Jedes Wesen ist in seiner Wirklichkeit, unteilbar, das ganze Leben. Daher ist jedes geäußerte Ja ein Ja zum Leben und ein Ja zu sich selbst. Mit jedem Ja stärken wir unser Wesen und mit jedem Nein trennen wir uns (meist unbewusst) von unserer Lebenskraft. Natürlich benötigen wir manchmal ein kräftiges Nein. Ein kräftiges Nein zu lebensverneinenden Haltungen und Handlungen ist bei näherem hinschauen jedoch ein Ja zum Leben. Ein Nein zu einem Nein wird in seiner Wirkungsweise so zu einem Ja und ist diesbezüglich wesentlich. Wenn auch scheinbar auf diese Weise ein Nein zu rechtfertigen ist, so ist dies eben nur scheinbar so.
Wenn wir dieses existenzielle Ja anschauen, so ist dies nicht wirklich ein aktiver Ausdruck eines Ichs, das Ja sagt, sondern vielmehr eine Fähigkeit die Dinge „so-sein“ zu lassen. Seinlassen ist hier der Schlüssel und nicht richtiges Tun, oder die Vermeidung des Falschen. Doch durch unsere Tendenzen, alles und jedes zu verurteilen und auch uns selbst so sehr zu verurteilen, ist es uns fast unmöglich geworden das was ist „so-sein“ zu lassen. Uns selbst „so-sein“ zu lassen scheint uns besonders schwer zu fallen. Wie schier unendlich viele Gründe uns doch stets einfallen warum wir uns selbst nicht so annehmen können, wie wir uns gerade vorfinden. Doch Liebesfähigkeit benötigt die Bereitschaft des So-sein-lassens und nicht tausendfache Strategien der Veränderung, welche uns liebenswerter und liebenswürdiger machen sollen.
Liebe ist und bleibt zeitlos stets und immerzu bedingungslos.


November

Bejahendes Sein

Jedes von dir geäusserte Ja
ist ein Ja zu dir selbst

Mit jedem Ja
zieht eine göttliche Melodie
durch dein Wesen

Hier eine hilfreiche Übung:
Abends kurz vor dem Einschlafen und morgens kurz nach dem Aufwachen. Ruhiges, jedoch tiefes und langgezogenes Atmen. Wenn möglich durch die Nase.
Linke Hand auf dem Solarplexus liegend, rechte Hand auf dem Herzchakra. Während dem Ausatmen ein langgezogenes, dem Atem folgendes, „Jaaaaaaaa“ flüstern, oder denken. Dieses „Ja“ erzeugt ein aufsteigendes Gefühl des Einverstandenseins. Dieses Einverstandensein umfasst bedingungslos unsere gesamte Existenz ohne darüber Vorstellungen und Ideen zu erzeugen.
Übung mehrmals wiederholen.
Für Skeptiker: Diese Übung hat nichts mit positivem Denken zu tun. Der Wortlaut Ja mit seiner tiefen Verwurzelung im kollektiven Bewusstsein hat eine tiefgehende energetische Wirkung.
Wem aus spirituell-fortgeschrittenen Gründen das Ja-Denken oder Flüstern unmöglich erscheint, kann dieses auch mit einem inneren Lächeln ersetzen.

Es ist nicht modern oder cool „Ja“ zu sagen. Niemand will in unserer Gesellschaft ein Jasager sein. Freiheit und Unabhängigkeit wird im Allgemeinen eher beim Neinsagen empfunden. Sich zu verweigern wird oft für persönliche Stärke angesehen. Doch dieser Hang zum Neinsagen stärkt meistens nur unsere Trennungsgedanken und unser egoistisches Verhalten. Viele Menschen durften ihre Trotzphasen in der Kindheit nicht wirklich ausleben und bleiben ihr Leben lang in einer unterschwelligen Verweigerungshaltung hängen. Dieses Muster passt ganz vorzüglich zu den leider immer noch vorherrschenden, egoistischen, marktwirtschaftlichen und politischen Tendenzen unserer Zeit.
Die Wirklichkeit unseres Wesens kennt jedoch kein Nein. Es ist wichtig diese Aussage zu verstehen. In unserer Wesensnatur sind wir das Leben, das sich lebt. Es gibt keine Trennung zwischen der Einzigartigkeit unserer Erscheinung und dem Leben als Ganzes. Jedes Wesen ist in seiner Wirklichkeit, unteilbar, das ganze Leben. Daher ist jedes geäußerte Ja ein Ja zum Leben und ein Ja zu sich selbst. Mit jedem Ja stärken wir unser Wesen und mit jedem Nein trennen wir uns (meist unbewusst) von unserer Lebenskraft. Natürlich benötigen wir manchmal ein kräftiges Nein. Ein kräftiges Nein zu lebensverneinenden Haltungen und Handlungen ist bei näherem hinschauen jedoch ein Ja zum Leben. Ein Nein zu einem Nein wird in seiner Wirkungsweise so zu einem Ja und ist diesbezüglich wesentlich. Wenn auch scheinbar auf diese Weise ein Nein zu rechtfertigen ist, so ist dies eben nur scheinbar so.
Wenn wir dieses existenzielle Ja anschauen, so ist dies nicht wirklich ein aktiver Ausdruck eines Ichs, das Ja sagt, sondern vielmehr eine Fähigkeit die Dinge „so-sein“ zu lassen. Seinlassen ist hier der Schlüssel und nicht richtiges Tun, oder die Vermeidung des Falschen. Doch durch unsere Tendenzen, alles und jedes zu verurteilen und auch uns selbst so sehr zu verurteilen, ist es uns fast unmöglich geworden das was ist „so-sein“ zu lassen. Uns selbst „so-sein“ zu lassen scheint uns besonders schwer zu fallen. Wie schier unendlich viele Gründe uns doch stets einfallen warum wir uns selbst nicht so annehmen können, wie wir uns gerade vorfinden. Doch Liebesfähigkeit benötigt die Bereitschaft des So-sein-lassens und nicht tausendfache Strategien der Veränderung, welche uns liebenswerter und liebenswürdiger machen sollen.
Liebe ist und bleibt zeitlos stets und immerzu bedingungslos.


Oktober

Ist das alles?
Nein, alles ist das!

Viele sind der Mönche, die durch Zen Krankheiten bekommen. Diejenigen, deren Krankheit in Augen und Ohren ist, halten starrenden, oder funkelnden Blick, das geneigte Ohr und das Nicken für Zen. Die an Mund und Zunge krank sind, meinen wirres Gerede und wildes Schreien seien Zen. Die an Händen und Füssen krank sind, meinen hin und her zu gehen und nach Ost und West zu deuten sei Zen. Diejenigen, bei denen die Krankheit in Herz und Eingeweiden sitzt, sind der Meinung, das Geheimnisvolle zu ergründen, das Wunderbare zu studieren, Gefühle hinter sich zu lassen und sich von Anschauungen zu lösen sei Zen.
Von der Warte des Wirklichen aus betrachtet, ist all das Krankheit.
Meister Xinwen Fen

Es gibt viele Illusionen auf dem weglosen Weg. Sich in die Egoidee zu verbeissen, das Ego zu transzendieren, überwinden oder zu verneinen ist eine dieser grossen Irrtümer, welche weitverbreitet und hartnäckig als Krankheit wüten, denn sie bedienen meistens die Muster, welche uns davor Schützen uns mit unseren Gefühlen der Selbstwertlosigkeit und emotionalen Wunden auseinandersetzen zu müssen. Diese Egokämpfe können uns bis tief in den spirituellen Weg hinein begleiten, bis hin zur Idee aus der Wahrheit zu sprechen, da „ich“ ja nun egolos und daher frei von Täuschung sei. Selbst, wenn wir uns damit als spirituelle Lehrer fühlen und durchaus charismatisch und erfüllt wirken mögen, wir beziehen so unsere Ausstrahlung hauptsächlich aus der Energie der Zuwendung unseres Publikums. Doch mit der Ignorierung und Verdrängung unserer seelischen Befindlichkeit sind wir nicht wirklich in der Lage uns selbst so umfassend zu lieben und anzunehmen, dass die Voraussetzung einer gesunden Einswerdung und Ganzwerdung erfüllt ist. Wir sind das Leben, das sich lebt. Wenn wir nicht im Reinen mit unserer individuellen Seele sind, so können wir dies auch unmöglich mit der ganzen Existenz sein. Unsere Erfahrung innerer Befreiung bezieht sich dann lediglich auf die Abwesenheit von Anhaftung an unsere einzigartige Wesenserscheinung. Dies ist keine grosse Errungenschaft.
Natürlich geht es auch darum unsere Rolle im Schauspiel dieses Lebens loslassen zu lernen, doch geschieht dies nicht über vermeintliche Egolosigkeit. Denn das Ego ist nicht wirklich existenziell, da es unserem Wesen nur als Konzept unserer Trennungsideen und Identifikationen dient. Ohne das Annehmen und Heilen unserer Seele ist unser spirituelles Erwachen mit vielen Illusionen durchsetzt und das Erleben unserer existenziellen Leere sodann unerfüllt und kraftlos. Wir kommen nicht darum herum uns unser Leben lang in großer Intensität mit dem ganzen Leben auseinanderzusetzen, die ganze Existenz als unser Selbst zu empfangen und zu durchdringen, sich zu öffnen und als ganzes Wesen erwachsen zu werden. Wir sollten uns mutig den Abgründen unserer Seele stellen und uns der Heilung unserer Wunden in unserem Emotionalkörper zuwenden. Dies ist die schmerzhafteste und schwierigste aller menschlichen Aufgaben überhaupt. Dazu müssen wir den Sandkasten unserer Selbst-Bespiegelungen, Zertrümmerungen und Verneinungen verlassen und tiefer in unser Wesen eintauchen, um Raum und Weite für Liebe und Mitgefühl zu erhalten, denn diese sind erst die Voraussetzungen um das Erwachen zu vervollständigen.

Leichtigkeit, ohne Disziplinlosigkeit
Freude, ohne Ignoranz
Humor, ohne Sarkasmus
Klarheit, ohne Härte
Bestimmtheit, ohne Verbohrtheit
Entschlossenheit, ohne Hintergedanken
Unterscheidungskraft, ohne zu verurteilen
Akzeptanz, ohne Kapitulation
Erkenntnisfähigkeit, ohne Besitzanspruch
Fehlbarkeit, ohne Reue.
Lernfähigkeit, ohne Unterordnung
Lehrfähigkeit, ohne Eigendünkel
Integrationsfähigkeit, ohne Machtanspruch
Liebe und Mitgefühl, ohne mir selbst im Wege zu stehen.


September

Koabhängigkeit, Traumas und Angst vor Nähe

„Du lehrst man solle beim Sitzen nichts weiter tun als sitzen, beim Essen nichts weiter tun als essen; könnte ein Zen-Meister auf diese Weise nicht zornig sein?
Suzuki Roshi antwortete: „Du meinst, dass er sich wie durch ein Gewitter klärt?
Ach, ich wünschte, ich könnte das.“ Shunryu Suzuki

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum zu glauben, dass bewusstes Sein und Erwachen unserer Wesensnatur auch automatisch unsere emotionalen Verletzungen und Traumas heilt. Gerade spirituelle Lehrer sind sehr anfällig darauf sich diesbezüglich etwas vorzumachen. Die selbstverständliche Annahme und Projektion der Schüler und Anhänger, dass „mein/e“ LehrerIn, Guru oder MeisterIn frei von Mustern und emotionalen Altlasten sein müsse, ist sehr gross und wird selten hinterfragt. Unsere Ansprüche an „meine/n“ LehrerIn sind enorm. In unserer Zeit ist die Auswahl an spiritueller Begleitung ja riesig und wir würden sicherlich zu jemandem Anderen gehen, wenn diese/r nicht unseren hohen Erwartungen entsprechen würde. Ist es nicht so?
Dies öffnet ein weites und mehr oder weniger subtiles Feld von Koabhängigkeit.
Die Charakteristik der Koabhängigkeit zeigt ein zwanghaftes Bedürfnis nach Zuwendung, Aufmerksamkeit und Bestätigung. Der Schmerz und die Probleme anderer Menschen, sowie deren Lösung stehen im Mittelpunkt und die eigenen werden damit überspielt. Oft kommen traumatische Kindheitserfahrungen hinzu. Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein konnten sich nicht frei entfalten und aufbauen. Grundlegende Bedürfnisse nach Halt, Schutz, Wertschätzung und Geborgenheit wurden nicht gewährleistet, Grenzen überschritten und Selbstausdruck abgelehnt oder gar bestraft. Spirituelle Werte betonen zudem oft den Dienst am Menschen und das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse.
Unsere unerlösten grundlegenden Bedürfnisse suchen jedoch zwanghaft nach Kompensation. Hilflose Helferrollen und spirituelle Erlöserrollen jeder Art bieten hier ein geradezu ideales Spielfeld für dieses Muster. Die Koabhängigkeit wird also auch bei hellleuchtendem, spirituellem Charisma gnadenlos seine versteckten, manipulierenden Auswirkungen entfalten, bis wir uns endlich dem Schmerz und dem in unserem Nervensystem eingelagerten Energie-Gefühlspacket, hier bei uns selbst, zuwenden. Der Kontakt zu uns selbst, das heisst sich selbst wieder zu spüren und zu fühlen, ist der Schlüssel und die Basis um diese gebundenen Energien zu befreien. Sich vollumfänglich wahrzunehmen, zu fühlen und anzunehmen ist die erhabenste und grundlegendste aller spirituellen Disziplinen.
Sich selbst als normalen, irdischen, erdigen und körperlichen Menschen wertzuschätzen, sich darauf einzulassen, ganz tief zu empfinden und zu spüren ist und bleibt unsere Basislernaufgabe hier auf der Erde!
Die gesamte Menschheit leidet so sehr an „Angst vor Nähe“, dass es kaum zu beschreiben ist! Ohne „Nähe“ zu allem Dasein und diese beginnt bei uns selbst, bleibt spirituelle Praxis jedoch konzeptuell, ideell und illusorisch, eine wertlose Schönmalerei eben, welche vielfältigem Missbrauch alle Türen und Tore öffnet.
Eine erwachsene Spiritualität ist ganzheitlich und umfassend.

Selbstversenkung (Meditation),
Selbsterforschung (Einsicht, Erkenntnis)
und Selbsterfüllung (bedingungslose Eigenliebe).

Unser Wesen will durch sich selbst erfüllt sein, denn dies ist seine Natur.


August

Bedingungslose Eigenliebe

Weisheiten ohne Mitgefühl sind nachgeplapperte Worthülsen. Erwachsene Spiritualität äußert sich vor allem durch berührtes Sein und durch Anteilnahme.
Dieses Leben ist ein unglaubliches Mysterium. Wir sollten nicht ständig darüber nachdenken was es ist und wie es zu lösen sei, sondern es als solches anerkennen und in das Mysterium eintauchen.
Wenn wir erkennen, dass dieses ganze Leben in uns selbst stattfindet, dass all unser Erleben nicht da draußen irgendwo, sondern immer hier in unserem eigenen Dasein erlebt, gefühlt und wahrgenommen wird, so stellt sich sehr dringend die Frage nach dem Kontakt zu uns selbst.
Diese Frage mutet uns vielleicht eigenartig an, denn wir würden vielleicht eher Fragen wollen: Was geschieht uns? Warum geschieht uns dieses oder jenes? Wie können wir diese oder jene Situation herbeiführen oder vermeiden? Wir denken also eher, dass eine Situation von außen an uns herangebracht wird. Dies ist jedoch nur scheinbar so, denn:

Alles erscheint als Selbst,
geschieht aus sich selbst heraus
und fällt in sich selbst zurück.

Lassen wir diese Aussage tiefer auf uns einwirken, so stehen wir vielleicht plötzlich auf einem ganz überraschen ungewohnten Aussichtsturm und erleben unsere Probleme in einer neuen Sicht. Dieser Aussichtsturm steht weder innen noch außen und schaut auch nicht von innen nach außen, oder von außen nach innen, sondern von überall nach überall, oder von hier nach hier, oder von mir nach mir, denn alles geschieht aus sich selbst heraus.
Das könnte also heißen, dass alles, was mir geschieht, ich mir auch selbst antue. Für manche Menschen ist diese Aussage wahrscheinlich viel zu simpel, absolut unhaltbar, oder doch zu unbegreiflich, da uns ja auch Dinge im Leben geschehen, bei welchen wir uns unmöglich vorstellen können, dass wir sie uns selbst antun würden oder auch je antun möchten. Und doch, wenn wir diese Aussage in Erwägung ziehen, so sehen wir sehr schnell wie plötzlich überraschend viel mehr Verantwortungsgefühl in unser Leben einfließt. Wir sehen vielleicht dass alles, was in unserem Leben erscheint auch wirklich mit uns zu tun hat, ja von uns selbst aus ins Leben strömt und uns zutiefst berührt.
Wir sehen vielleicht, dass alles was uns wiederfährt nur hier bei uns selbst wahrgenommen gefühlt und verarbeitet werden kann, dass wir ja nie aus uns selbst herausgehen können und wir sehen vielleicht plötzlich den tieferen Sinn hinter der Aussage:“ Überall wo ich hingehe bin ich schon anwesend“.
Wir sehen nun vielleicht wie unendlich wichtig Eigenliebe ist und dass Eigenliebe die ganze Schöpfung umfasst. Doch selbst, wenn wir dies erkennen, so bleibt doch meist die große Schwierigkeit der Bedingtheit bestehen. Wie sehr wir doch an alles und jedes Bedingungen knüpfen! Im Besonderen an Eigenliebe, denn wer kann schon von sich selbst behaupten, dass er/sie sich uneingeschränkter Eigenliebe würdig erweist und diese auch verdient? Unsere weltlichen und spirituellen Glaubenssätze, Konditionierungen und Moralvorstellungen haben uns ein echtes Gefühl für Eigenliebe schier verunmöglicht. Eigenliebe hat mittlerweile in wahrscheinlich allen Kulturen dieser Welt einen penetranten Ego-Geruch einverleibt bekommen. Eigenliebe ist sozusagen synonym mit Egoismus geworden. Was für eine schicksalsschwere und schier unendliches Leid erzeugende Verdrehung der Tatsachen.
Bedingungslose Eigenliebe ist das Geburtsrecht eines jeden Wesens und benötigt keine Qualifikationen. Sie ist die Grundlage eines wirklich glücklichen Lebens. Doch unser Wesen ist durch wohlgemeinte Erziehung, durch die Zwänge unserer gesellschaftlichen Anforderungen, sowie den vielfältigen Auswirkungen verfestigter Charakterzüge in tausend Teile gespalten.
Unser Geist ist verblendet und durch Konditionierungen programmiert. Ohne Selbsterforschung und Konfrontation mit all unseren Geisteskrankheiten kann bedingungslose Eigenliebe für uns nicht aktiv werden und daher auch nicht seinen Segen entfalten. Dies gilt ebenso für spirituelle Lehrer, Gurus, erwachte Menschen und scheinbar aufgestiegene Meister, denn ausnahmslos jeder Mensch auf dieser Welt wird von Geisteskrankheiten geplagt.
Wenn wir nicht wirklich spirituell erwachsen werden wollen und Ganzwerdung nicht endlich als umfassende Menschwerdung begreifen, werden wir all diese wunderbaren Eigenarten unseres Wesens, wie Liebe, Freiheit, Frieden Glückseligkeit und Erfüllung, weiterhin endlos in einem spirituellen Aufstieg suchen und uns weiterhin in unserem Suchen verlieren und nicht erkennen, dass wir all das Gesuchte und Ersehnte nie verloren haben.


Juli

Wahrheiten sind immer relativ

Wir glauben vielleicht, dass alles sein Gegenteil hat, da wir ja in einer dualen Welt leben. Dies ist jedoch nicht wirklich wahr. Wir denken vielleicht, dass das Gegenteil von Liebe Hass, von Freiheit Gebundenheit, von Vollkommenheit Unzulänglichkeit, von Frieden Konflikt sei. Doch dies ist nicht die Wirklichkeit unseres Seins. Die Eigenschaften des Wesensgrundes sind ohne Gegenteil, denn sonst wäre Erwachen, Transformation und Integration nie wirklich nachhaltig möglich und unsere Läuterung eine sehr wackelige Angelegenheit. Dies ist in etwa so, wie wenn wir unseren Himmel betrachten und aus unseren Betrachtungen schließen würden, dass mal Sonne und mal Wolken am Firmament erscheinen, was rein optisch von der Erde aus gesehen ja stimmt. Wir wissen jedoch, dass die Sonne stets scheint und dass Wolken die Sonne nicht verdunkeln, dass sich Wolken nur optisch vor die Sonne schieben, diese jedoch nicht verdrängen oder verschwinden lassen. Was wir üblicherweise Liebe nennen und welche von Hass verdunkelt wird ist also eher Zuneigung, Anhaftung und Besitzergreifung, als Liebe. Was wir üblicherweise Freiheit nennen und von Unfreiheit verdunkelt wird ist also eher Ablösung, Trennung und Abspaltung, als Freiheit. Was wir üblicherweise Vollkommenheit nennen und von Unzulänglichkeiten verdunkelt wird ist also eher Idealismus, Moral und Anspruch, als Vollkommenheit. Was wir Frieden nennen und von Konflikten verdunkelt wird ist also eher Gefechtspause, Rückzug und Verdrängung, als Frieden.
Solange wir Begriffe wie Liebe, Freiheit, Vollkommenheit und Frieden nur in dualistischen Zusammenhängen verstehen und leben, bleiben wir im Sturm der Gegensätze gefangen und im Meer der Täuschungen verloren. Solange wir nicht zur Quelle unseres Sein, zum Aufscheinen unseres Wesens durchdringen, werden wir weiterträumen und uns auf scheinbare Wichtigkeiten fixieren, diese von scheinbaren Bedeutungslosigkeiten trennen und jenes begehren und dieses verwerfen, uns Ersehntem zuneigen und Gefürchtetem abneigen und so weiterhin rastlos an unserem ganz persönlichen Leidensmantel weben. Diese Leidensmäntel umhüllen in dicken Schichten unser Wesen und lassen es kaum atmen. Sie schaffen einen aggressiven und rücksichtslosen Umgang mit uns Selbst, unseren Mitmenschen, allen Wesen, unseren Ressourcen und allem, was uns in die Hände fällt.
Bedingungslose Eigenliebe, ohne einen Gedanken an sich selbst zu verschwenden ist die nachhaltigste Basis für Transformationsprozesse.
Diese Aussage tönt vielleicht Widersprüchlich, doch wenn wir sie wirklich auf uns einwirken lassen, so öffnet sie uns das torlose Tor unseres Hierseins.
Tausend kleine Wellen
tanzende Libellen

Bunte Kieselsteine
wiegen sich
schimmernd, leuchtend
mit weichem Lächeln
vor und zurück
verführen meine Hände


Juni

Scham und das Fasten des Herzens.

Eine Freundin und Therapeutin schrieb mir kürzlich:
„Was mich immer wieder und auch immer öfters beschäftigt ist die Scham.
In der Literatur der Psychotherapie ist dazu kaum etwas Brauchbares zu finden. Wie viele Menschen sich doch schämen und Schuldgefühle haben! Wie sehr das Richtig und Nichtrichtig in den Köpfen festsitzt, nicht nur in den Köpfen, tief drinnen verankert, als ständiger Wegbegleiter und Wegweiser!"
Einsamkeit, Verlust und Bedeutungslosigkeit bilden die Wurzelängste der Menschen. Um diesen Abgründen zu entgehen begeben wir uns in immense Schwierigkeiten. Kompromisse, Unehrlichkeiten, Versteckspiele, Unterdrückung, Maskeraden, Betrug, Übervorteilung, Missbrauch, psychische und körperliche Gewaltanwendung und so weiter (eine schier endlose Liste), all dies geschieht durch Verdrängung und Tabuisierung unserer unangenehmen Gefühle und Empfindungen, welche aus unseren Verblendungen, Trennungsideen und Wahnvorstellungen steigen. Wir empfinden uns eingeschlossen, in einem der Vergänglichkeit und dem Verfall ausgelieferten Körper, ausgesetzt und von der Aussenwelt isoliert. Die Bedeutungslosigkeit unseres Tuns und die Sinnlosigkeit all unseres Strebens im Angesicht unserer Sterblichkeit folgt uns Schritt auf Tritt.
Einsamkeit, Verlust und Bedeutungslosigkeit sind unsere Urängste, welche aus den Trennungsgedanken und Trennungsüberzeugungen unserer menschlichen Existenz steigen. Mit dieser Grundidee, hier, in unserem Leben als Einzelwesen, getrennt von allem Übrigen zu existieren, ist es unmöglich in Frieden zu leben. Ausserdem bombardieren uns unaufhörlich die Überzeugungen und Richtlinien der Aussenwelt, welche wir uns zu Eigen machen. Die Last des Christentums mit seiner Ursünde reicht bis tief in das kollektive Unterbewusste hinein. All dies kann nur zu einem enormen Leistungsdruck, konstantem Scheitern, starken Gefühlen des Versagens und des Unvermögens, sowie profundem Gefühl der Unzulänglichkeit führen. Dadurch entsteht eine, mit fortschreitendem Alter, immer tieferreichende Scham, welche durch unsere Verdrängungsmechanismen auch immer undurchsichtiger, undefinierter und allgemeiner wird. Glücklich, bei wem, sei es durch geborgene Kindheit, Einheitserfahrungen, oder ähnlichem, diese Scham und ihre Auswirkungen nicht gar so tief ausgeprägt sind.
Das Erscheinen von Angst, Verletzlichkeit, Hilflosigkeit, Versagen und so weiter, wird also verständlicherweise meist als etwas sehr unangenehm Negatives innerhalb unseres menschlichen Daseins betrachtet, das es zu vermeiden, zu überspielen und zu verdrängen gilt. Doch diese erstaunlich reichhaltigen Empfindungsmöglichkeiten sind keine negativen Eigenschaften unseres Wesens, sondern bieten zutiefst menschliche Erfahrungen und reichhaltigen Nährstoff zum umfassenden Erwachsenwerden. Wir können sie auch als Fähigkeiten bezeichnen, da wir so umfassend ausgerüstet und zu derart tiefen und profunden Gefühlen und Wahrnehmungen fähig sind. Es ist wichtig diese Fähigkeiten wieder ins Bewusstsein zu rufen und sie von unseren geistigen Fesseln zu befreien, denn nur so können sie uns ihre Botschaften überbringen.
All diese Fähigkeiten von ihrem Ballast zu entleeren nannten die Zen-Ahnen das Fasten des Herzens.
Diese Gefühlszustände sollen uns die Unsinnigkeit und die Vergeblichkeit vor Augen führen, der Illusion von Beständigkeit im ewigen Wandel des Lebens und der Illusion von existenzieller Trennung zu erliegen. Existenzielle Einheit ist die Grundlage und natürliche Voraussetzung des Lebens. Das Aufscheinen unserer Wesensnatur und damit das torlose Tor zu Glückseligkeit, Erfüllung, Freiheit, Vollkommenheit und Ewigkeit kann nur „mit und in" all unserem Erleben erkannt und verwirklicht werden.


Mai

In Liebe sein?

Selbst, wenn wir viel zu viel von allem haben, was wir uns auf dieser Welt wünschen und aneignen können, so leben wir wahrscheinlich doch unser ganzes Leben lang in einem Mangelbewusstsein. Wie ist dies nur möglich? Es ist wichtig und notwendig uns den Umfang dieser Tatsache klar zu machen, selbst wenn uns diese Erkenntnis zunächst in Bestürzung wirft. Von Kindesbeinen an bis zum Ende unserer körperlichen Existenz ist mit ganz wenigen Ausnahmen unser Grundgefühl jenes, dass uns irgendetwas fehlt, dass wir nicht heil sind. Dies ist die vorherrschende Stimmung im Hintergrund unseres Daseins. Es scheint, als sei die ganze Menschheit von einem Trennungsvirus befallen, welcher uns eine Existenz des In-sich-selbst-gespalten-seins und eine Ich-und-die Anderen-Optik als unsere Daseinsrealität vorgaukelt. Dieser Umstand erzeugt eine immense Fülle an Kompensations- und Suchtverhalten. Die Kompensation der Trennung vom eigenen Ursprung äussert sich in unseren Beziehungen als Sehnsucht mit jemandem in Liebe zu fallen und tiefer in unserer Psyche als Sehnsucht mit uns selbst in Liebe zu sein.
Doch der Glaube in Liebe sein zu können, zu wollen und zu sollen, führt zu einem Sog in Richtung Leiden und unweigerlich zu Enttäuschungen. Liebe ist nicht etwas das getan werden kann. Sie kann nicht gegeben und auch nicht empfangen werden. Das Ich kann weder lieben noch nichtlieben, es ist einfach bedürftig und kleidet seine Bedürfnisse in schöne Namen.
Liebe ist das, was wir im Herzen des Lebens sind - diese unfassbare Weite, Stille und Glückseligkeit. Wir können also nicht „in“ Liebe sein, denn dann gäbe es ja zwei, nämlich Liebe und jemand, der in Liebe ist. Doch Liebe erlaubt keine Trennung, denn Liebe ist eins. Es gibt also keinen Weg in die Liebe hinein. Liebe kennt kein Wie, Warum und Wieso. Meinungen und begriffliches Denken erreichen sie nicht. Jede Vorstellung von Liebe die wir zu verwirklichen trachten, egal wie edel diese auch sei, wird uns unweigerlich in einen Leidensprozess führen. Alles Wesentliche im menschlichen Leben, nachdem wir uns sehnen, ist stets das, was wir in der Tiefe unseres Wesens sind. Freiheit, Vollkommenheit, Frieden, Liebe, Glückseligkeit, usw. können wir nicht erreichen, denn stets steht uns die Idee des Getrenntseins im Wege. Es gibt auch keine Liebesgeschichte, welche wirklich glücklich enden könnte, denn es gibt nichts und niemand der sie erfassen oder umfassen könnte und sie kann nirgendwohin gerichtet werden, ohne dass wir uns die Finger an ihr verbrennen. Da Liebe letzten Endes immer sich selbst sucht ist sie das Ende aller Geschichten, denn Liebe ist die Essenz unserer Existenz und führt uns über alle Wege hinweg zu uns selbst zurück. Wir können mit der Liebe nicht verhandeln, diskutieren oder argumentieren. Sie fordert von uns zutiefst vom Leben berührt zu sein. Unsere Ideale und Bedürftigkeit interessieren sie nicht. Liebe ist ein Feuer, das ausnahmslos alles verbrennt, das sich nicht uneingeschränkt und ungetrennt als Ganzes erlebt und sich ihr vollumfänglich ergibt. Sie wirft uns in ihr Feuer und erst, wenn wir aus unserer eigenen Asche auferstehen werden wir ihrer wirklich würdig sein. Denn nur dann können wir „Liebe-sein“ und nicht nur von ihr kosten. Liebe lässt uns keine Ruhe bis wir alle Trennung mit allem was existiert überwunden haben. Es gibt Menschen welche glauben, dass das Ego verbrennen müsse. Doch das Ego kann nicht brennen, denn es ist nur eingebildet. Es ist unser Wesen, das im Entzug unserer Süchte und Abhängigkeiten, sowie in der Loslösung von unseren Ideen, Vorstellungen und Glaubenssätzen brennt.
Um wirkliche Liebe zu erfahren sollten wir lernen unsere Ichbezogenheit und dessen Systeme zu durchbrechen. Ein liebevolles und ekstatisches Zusammenleben zwischen Mann und Frau wird nur über „Liebe-sein“ und nicht über „Ich-liebe-dich“ geschehen können.


April

Einfalt

Die spirituelle Suche ist ein Versteckspiel, das wir mit uns selbst spielen, denn alles Wesentliche ist zeitlos hier, immer und durch alle Zeiten hindurch „hier“. Es scheint, als hätten wir dies von jeher an gewusst und uns doch dafür entschieden das Göttliche an dem einzigen Ort zu suchen, an dem es nicht zu finden ist, in der Illusion der Getrenntheit. Seither suchen wir das Göttliche und verdrängen es gleichzeitig. Wir können das Wesentliche unserer Existenz unmöglich finden, da es nie verloren gegangen ist und nie verloren gehen kann. Die einzige Möglichkeit unser Scheitern diesbezüglich weiterhin fortzusetzen besteht darin, hartnäckig an der Idee einer getrennten Existenz festzuhalten.
Diese Illusion ist doppelt gesichert, einerseits durch die Identifikation mit einer eingebildeten, vielschichtig ausbaubaren Persönlichkeit, anderseits indem wir unsere natürliche Entfaltung beeinträchtigen und die Resultate als Beweise unserer Unvollkommenheit vorweisen. Diesen schier unglaublichen Trick vollführen wir, um von „hier“ wegschauen zu können, buchstäblich wegschauen, weg von „hier“. Wir verstehen uns als Subjekt um alles andere, als die von uns getrennten Objekte betrachten zu können.
In der vollumfänglichen Hinwendung an alles was in seiner einfachen, unbenannten und undefinierten Weise „hier“ erscheint, ist unser Einssein offensichtlich. Alles Existierende entspringt ohne Ausnahme demselben Wesensgrund. Es ist gar nicht möglich etwas anderes als das Göttliche zu sehen, sobald wir unschuldig und unvoreingenommen in das Wesen der Erscheinungen schauen, es sei denn wir flüchten uns in die Illusion des Getrenntseins.
Doch wir halten hartnäckig an dieser Idee der Vereinzelung fest. Das Bestürzende ist, dass wir so hartnäckig an unserem Getrenntsein festhalten, dass wir gar all unsere persönlichen Irrwege stolz als Beweise unseres spirituellen Voranschreitens ausgeben und miteinander wetteifern. Dies ist eine unglaublich grosse Leistung die wir so vollbringen, denn die Illusion der Getrenntheit benötigt konstant einen fast unvorstellbaren Aufwand an Ignoranz um sich selbst aufrechterhalten zu können.
Sicherlich darf hier keines Falls verleugnet werden, dass das Abenteuer als ganzheitlich-geistiges Wesen geboren zu werden mitunter ein sehr schmerzhafter und sehr vielschichtiger Prozess ist, welcher unsere ganze Aufmerksamkeit, unablässige Hinwendung und sehr grosser und geduldiger Entschlossenheit bedarf. Natürlich geht es für uns hier in dieser Welt um Entfaltung und Verwirklichung, doch gedeiht diese wie ein Samenkorn, welche die voll entfaltete Blume stets vollständig in sich trägt und die Wurzeln, Stängel, Blätter und Blüten nicht erst noch finden und vervollkommnen muss. Genauso verläuft die Verwirklichung als menschliches Wesen und ist doch durch den ganzen Prozess hindurch in sich stets vollkommen.
Wir sollten uns mutig der Konfrontation mit unseren schlechten Angewohnheiten, unseren Tendenzen zu Sucht und Abhängigkeit, sowie unserem Hang zur Bequemlichkeit, Ängstlichkeit und Verzagtheit stellen, ebenso unermüdlich unsere Konditionierungen, Glaubenssätze und Identifikationen erforschen, jedoch mit der Gewissheit durch alle Zeiten hindurch zeitlose und vollkommene Wesen zu sein.
Doch ohne Entfaltung werden wir kein Erblühen erleben.

Wissen zielt in die Vielfalt
Meditation zielt In die Einfalt
Alle Vielfalt entsteht In der Einfalt


März

Ein Paket an den Postminister

Es ergab sich einmal vor sehr langer Zeit, dass ein Postbeamter nach langem Berufsleben in den Ruhestand entlassen wurde. Er hatte plötzlich viel freie Zeit und so sann er seinem bisherigen Leben nach und liess nochmals seine reichhaltigen Erfahrungen vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen. Ein leeres Zündholzschächtelchen lag vor ihm auf dem Tisch. Er nahm es in die Hand und spielte damit, während die bunten Bilder seiner Vergangenheit in seinem Verstand Geschichten bildeten und ineinander übergingen. Es kam ihm vor als sei jedes Ereignis in seinem Leben wie ein einzigartiges und doch ganz gewöhnliches Zündholz, zusammengereiht in der einen Zündholzschachtel, der Zündholzschachtel seines Lebens. Er sah, dass sobald sich ein Ereignis in seinem Leben entzündet hatte, es ebenso wie das Hölzchen unausweichlich und unabänderlich ein Raub der entzündeten Flamme wurde. Es stand kurz in leidenschaftlichem Feuer und wurde von der Flamme bald darauf verschlungen. Ob dies in Freude oder in Leiden geschah, der Ablauf schien doch immer derselbe zu sein und die Reihen der Zündhölzer würden sich zunehmends und endgültig lichten bis das Schächtelchen vollständig leer sei. Also schien ihm, dass das Leben in seiner Essenz einem leeren Zündholzschächtelchen gleiche. Diese Leere in dem Schächtelchen schien ihm sehr, sehr wertvoll und nicht einfach nur die Absenz der Zündhölzer anzuzeigen. Sie schien ihm nun auch bei einem vollen Zündholzschächtelchen stets zugegen zu sein, nur eben weniger gut wahrnehmbar. Diese Leere schien alles zu enthalten, sowie in allem enthalten zu sein und doch unberührt, ja unberührbar zu sein. Es schien ihm als ergriffe diese Leere seinen Geist und alles in und um ihn herum; und alles schien dieser eine leere Geist zu sein.
Er nahm also das leere Zündholzschächtelchen, wickelte Papier darum, band es mit einem Seidenband und machte ein Päckchen daraus. Da es ihm schien, als sei das Leben eine Fülle von Schichten, die es zu enthüllen gelte, so wickelte er das Paket wiederum in eine neue Hülle und gestaltet so ein weiteres Paket darum herum. Dies bereitete ihm sehr viel Freude, da er ja von Berufes wegen mit Paketen sehr vertraut war und so ergab sich mit viel Geschick und Begeisterung nach vielen Stunden Arbeit und grossem Aufwand an Papier und Bändern ein stattliches Paket aus vielen Paketen in Pakete gehüllt, in dessen Mitte sich ein leeres Zündholzschächtelchen enthüllte. Dieses stattliche Paket sendete er als Abschiedsgeschenk ohne weitere Erklärung an den Postminister.
Die Existenz ist durch und durch zutiefst beseelt. Die Idee einer persönlichen Seele jedoch wird durch das Erleben unserer Wesensnatur grundlegend erschüttert. Ein ganz unerwartet unpersönliches und doch integriertes Erleben unseres Wesens tritt anstelle der abgegrenzten, persönlichen und egoistischen Anschauung von etwas, das wir üblicherweise „meine“ Seele nennen. Wenn wir uns selbst als Individuum, jedoch ungetrennt vom Leben als Ganzes erleben, so kann eine Vorstellung von einer separaten auf unsere Persönlichkeit bezogene Seele nicht bestehen. Die Begriffe All-eins-sein und Einzigartigkeit scheinen sich oberflächlich betrachtet zu widersprechen, sind aber im Erleben als individueller Ausdruck des Ganzen zutiefst harmonisch und bilden nur in der Abspaltung als getrennte Persönlichkeit einen Konflikt. Die Idee als Mensch von der übrigen Existenz getrennt zu sein erzeugt in uns die Vorstellung All-eins „werden“ zu müssen, was jedoch nie vollbracht werden kann, da All-eins-sein und Einzigartigkeit in ihrem Wesen dasselbe sind.
In dieser Erscheinungswelt sind wir als Menschen auf Erscheinungen fixiert, also auf das Sein. Jedoch, Sein bedingt Nichtsein. Der Aspekt des Nichtseins ist genauso wesentlich für das menschliche Erleben wie das Sein. Wir sollten damit vertraut werden, damit wir unsere Furcht davor verlieren.


Februar

Aufmerksamkeitstraining

Wir bewegen uns leider hauptsächlich über das Tun und nicht über das Sein. Es heisst ja so schön: nichts geschieht ausser du tust es. Dieser Satz ist für lethargische Menschen sicher hilfreich. Aber schauen wir mal etwas tiefer. Die Dinge geschehen, egal ob unser Ego das Gefühl hat, dass sie von ihm getan werden oder nicht. Wir führen alle Ereignisse die von unserem Körper aus geschehen auf unser Tun zurück, nicht aber auf unser Sein. Daher verwundert es nicht, dass wir immerzu unser Ego bestätigen.
Auf allen spirituellen Wegen ist Aufmerksamkeit ein ganz wesentlicher Faktor. Wir versuchen daher unsere Aufmerksamkeit zu steigern. Heutzutage nennt man dies Aufmerksamkeitstraining. Dies ist eine sehr mühevolle Angelegenheit, welche meistens nach beherztem Beginn schon bald wieder zu einem Gefühl des Misserfolges und der Erschöpfung führt. Das liegt daran, dass wir Aufmerksamkeit „tun“ wollen und eben nicht Aufmerksamkeit als „Sein“ in Betracht ziehen. Wir versuchen daher immer wieder für kurze Zeit mit allem was geschieht in aufmerksames Tun zu gehen. Doch zu vieles geschieht in und um uns herum und selbst wenn wenig geschieht, wie lange können wir dies durchhalten? Wir ermüden schnell mit dieser Art von Anstrengung. Daher kommen wir dann auf so geniale Ideen wie das Aufmerksamkeitstraining. Ein guter Tummelplatz für spirituelle Lehrer und ehrgeizige Schüler. So eine Art Fitnesszentrum für Achtsamkeitsmuskeln. Diese Idee passt gut in unsere Zeit der stets jungen, idealisierten, durchtrainierten und makellosen Männer und Frauen, ganz nach den Vorbildern unserer Schönheitsindustrie.
Wenn wir Aufmerksamkeit tun, stellt sich ja auch immer die Frage was, oder wem geben wir nun die Aufmerksamkeit. Durch unser Tun wird Aufmerksamkeit sehr limitiert, da wir schnell ermüden. Wir glauben so Prioritäten schaffen zu müssen und wesentliches von unwesentlichem trennen zu sollen. Wir glauben richtiges und wichtiges sei aufmerksamkeitswürdig, sowie falsches und nichtiges sei zu ignorieren, um unsere Kräfte richtig einzusetzen und aufzuteilen. Natürlich nährt dies unser spirituelles Ego.
Die Idee Meditation in den Alltag hinein zu bringen ist eine weitverbreitete Krankheit und zeugt von subtile Arroganz und Verblendung. Meditation kann nicht in den Alltag hinein geführt werden, da es sowas wie einen Alltag nicht gibt. Ausserdem entspringt diese Idee mehreren Trennungsgedanken wie ich und meine Meditation, ich und mein Leben, sowie Meditation und Alltag.
Meditation und das Leben sind eins und sie sind das was ich bin. Darum sollten wir verstehen, dass Aufmerksamkeit ein Sein ist und nicht ein Tun. Alles was geschieht ist existenziell gesehen gleich wichtig, da es das ist was ich bin. Alles geschieht in unserem Gewahrsein und ist Gewahrsein. Daher ist Gewahrsein absolut mühelos, macht keine Pausen, macht keine Ferien, geht nicht schlafen und ist zeitlos hier.
Diese Haltung gegenüber Aufmerksamkeit ist natürlich und mühelos. Das Leben wird so in seiner ganzen Spannbreite gleichwertig erlebt und wir sind anwesend. Im Leben anwesend zu sein ist Meditation. Hier stellt sich die Frage ob wir im Leben wirklich anwesend sind. Unsere Angst die Kontrolle über uns, unser Erleben und über die Geschehnisse zu verlieren führt uns immer tiefer in Projektionen und Tagträume hinein und entfremdet uns von uns selbst. Glauben wir allen Ernstes, dass dies mit Aufmerksamkeitstraining, oder dergleichen in Ordnung gebracht werden kann?
Aufmerksamkeit ist nicht immer Wahrnehmungssensibilität und Wachheit. Aufmerksamkeit benötigt auch das Feuer der Einsicht und sollte Hand in Hand mit Meditationspraxis und Selbsterforschung gehen.


Januar

Aufmerksamkeitstraining

Wir bewegen uns leider hauptsächlich über das Tun und nicht über das Sein. Es heisst ja so schön: nichts geschieht ausser du tust es. Dieser Satz ist für lethargische Menschen sicher hilfreich. Aber schauen wir mal etwas tiefer. Die Dinge geschehen, egal ob unser Ego das Gefühl hat, dass sie von ihm getan werden oder nicht. Wir führen alle Ereignisse die von unserem Körper aus geschehen auf unser Tun zurück, nicht aber auf unser Sein. Daher verwundert es nicht, dass wir immerzu unser Ego bestätigen.
Auf allen spirituellen Wegen ist Aufmerksamkeit ein ganz wesentlicher Faktor. Wir versuchen daher unsere Aufmerksamkeit zu steigern. Heutzutage nennt man dies Aufmerksamkeitstraining. Dies ist eine sehr mühevolle Angelegenheit, welche meistens nach beherztem Beginn schon bald wieder zu einem Gefühl des Misserfolges und der Erschöpfung führt. Das liegt daran, dass wir Aufmerksamkeit „tun“ wollen und eben nicht Aufmerksamkeit als „Sein“ in Betracht ziehen. Wir versuchen daher immer wieder für kurze Zeit mit allem was geschieht in aufmerksames Tun zu gehen. Doch zu vieles geschieht in und um uns herum und selbst wenn wenig geschieht, wie lange können wir dies durchhalten? Wir ermüden schnell mit dieser Art von Anstrengung. Daher kommen wir dann auf so geniale Ideen wie das Aufmerksamkeitstraining. Ein guter Tummelplatz für spirituelle Lehrer und ehrgeizige Schüler. So eine Art Fitnesszentrum für Achtsamkeitsmuskeln. Diese Idee passt gut in unsere Zeit der stets jungen, idealisierten, durchtrainierten und makellosen Männer und Frauen, ganz nach den Vorbildern unserer Schönheitsindustrie.
Wenn wir Aufmerksamkeit tun, stellt sich ja auch immer die Frage was, oder wem geben wir nun die Aufmerksamkeit. Durch unser Tun wird Aufmerksamkeit sehr limitiert, da wir schnell ermüden. Wir glauben so Prioritäten schaffen zu müssen und wesentliches von unwesentlichem trennen zu sollen. Wir glauben richtiges und wichtiges sei aufmerksamkeitswürdig, sowie falsches und nichtiges sei zu ignorieren, um unsere Kräfte richtig einzusetzen und aufzuteilen. Natürlich nährt dies unser spirituelles Ego.
Die Idee Meditation in den Alltag hinein zu bringen ist eine weitverbreitete Krankheit und zeugt von subtile Arroganz und Verblendung. Meditation kann nicht in den Alltag hinein geführt werden, da es sowas wie einen Alltag nicht gibt. Ausserdem entspringt diese Idee mehreren Trennungsgedanken wie ich und meine Meditation, ich und mein Leben, sowie Meditation und Alltag.
Meditation und das Leben sind eins und sie sind das was ich bin. Darum sollten wir verstehen, dass Aufmerksamkeit ein Sein ist und nicht ein Tun. Alles was geschieht ist existenziell gesehen gleich wichtig, da es das ist was ich bin. Alles geschieht in unserem Gewahrsein und ist Gewahrsein. Daher ist Gewahrsein absolut mühelos, macht keine Pausen, macht keine Ferien, geht nicht schlafen und ist zeitlos hier.
Diese Haltung gegenüber Aufmerksamkeit ist natürlich und mühelos. Das Leben wird so in seiner ganzen Spannbreite gleichwertig erlebt und wir sind anwesend. Im Leben anwesend zu sein ist Meditation. Hier stellt sich die Frage ob wir im Leben wirklich anwesend sind. Unsere Angst die Kontrolle über uns, unser Erleben und über die Geschehnisse zu verlieren führt uns immer tiefer in Projektionen und Tagträume hinein und entfremdet uns von uns selbst. Glauben wir allen Ernstes, dass dies mit Aufmerksamkeitstraining, oder dergleichen in Ordnung gebracht werden kann?
Aufmerksamkeit ist nicht immer Wahrnehmungssensibilität und Wachheit. Aufmerksamkeit benötigt auch das Feuer der Einsicht und sollte Hand in Hand mit Meditationspraxis und Selbsterforschung gehen.


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