Archiv 2016

Dezember

Ohne Bedauern leben

Eine alte Zen-Weisheit besagt: „Ein gereifter Mensch lebt ohne Bedauern“. Was will damit ausgesagt werden?
Um ein Leben ohne Bedauern zu leben bedarf es zuerst einmal der Einsicht, dass das Leben für uns Menschen einfach stattfindet und seinen Zweck erfüllt, ob wir das mögen oder nicht. Was geschehen soll wird geschehen, was nicht geschehen soll wird nicht geschehen, ebenfalls, ob wir das mögen oder nicht. Diese Aussagen sind nicht leicht zu verdauen, da damit ja unsere heilige Kuh, der sogenannte, vielgeliebte „freie Wille“ attackiert wird und wir doch im lebendigen Paradox hängen bleiben, in jedem Augenblick Entscheidungen zu treffen, welche unser Ego ganz eindeutig als „sein“ freier Wille in Anspruch nimmt.
Dazu kommen noch die Einsichten mit dem Richtig/falsch- und Gut/schlecht-Thema, welches ebenfalls durchschaut werden will, um die Glaubenssätze rund um Schuldzuweisungen und Schuldhaben auflösen zu können.

Erwachte Menschen haben Einsichten, das liegt in der Natur des Erwachens. Erwachen ist „Offenbarung“ und kann in jeder Phase unserer spirituellen Entwicklung geschehen. Erwachte Menschen sind im Allgemeinen unreife spirituelle Wesen. Daher werden erwachte Neulinge meistens die Einsicht des Selbst, oder Wesensgrundes, als „es gibt mich nicht“ „niemand da“ und „unberührt, jenseits und unabhängig von Gefühlen“ etc. interpretieren. Wobei dann jeweils vergessen wird, dass es ein Ego braucht, welches all dies erkannt hat und in Worte fasst. Mehr noch dass, wenn sie (wer genau?) aus dem Selbst reden, wie öfters behauptet wird, ja auch ebenfalls alle andere Wesen aus dem Selbst reden. Da es ja nichts ausserhalb des Selbst gibt. Sonst wären wir ja dann wieder in der Trennung und in der dualen Verhaftung.
Erwachte Menschen erkennen meistens erst Jahre später dass sie eigentlich noch lernen sollten ihre spirituellen Einsichten in und mit ihrem irdischen Menschsein zu verwurzeln. In der Zentradition ist dieses Phänomen hinlänglich bekannt und es wird ein besonderes Auge auf solche Menschen gerichtet indem man die zu belehrenden Menschen erst mal ein paar Jahre von ihnen fernhält und sie in ihrer eigenen Unterweisungswut und Tendenzen schmoren lässt.
Es ist eben so eine Krucks mit den frisch erwachten Menschen, dass sie ganz schnell wieder in unbewussten Interpretationen und Egospielen festhängen, und ihr „Vom göttlichen Wesensgrund geblendet-sein“ in eine Lehreridentifikation mit hineinnehmen und ausleben.
Um auf unser Thema des Lebens ohne Bedauern zurückzukommen möchte ich hier klar machen, dass es nicht darum geht sich selbst unabhängig und unberührt von seinen Gefühlen zu erleben, um mit oben genannten Einsichten ganz plötzlich frei und ohne all die unangenehmen emotionalen Störenfriede unseres Unterbewusstseins zu leben. Natürlich, schön wäre es, aber sorry, so einfach ist es nicht. Wir haben schon noch unsere Hausaufgaben hier auf der Erde zu erledigen, trotz Offenbarung unserer göttlichen Natur – nämlich die Erlösung der gebundenen Kräfte.

Um ein Leben ohne Bedauern zu leben benötigen wir obengenannte Einsichten damit unser Blick von den vernebelnden Schuld- und Versagens-Gefühlen frei wird um die unserer mangelnden Selbstliebe zugrunde liegenden Muster und Konditionierungen zu erkennen.
Nun gilt es drittens die Beweggründe welche zu diesen Konditionierungen geführt haben in ganzer Klarheit zu sehen, anzunehmen und sich den tieferen, ursächlicheren Empfindungen zu stellen, ohne etwas tun oder korrigieren zu müssen und ohne den Richtig/falsch- und Gut/schlecht- Interventionen unseres Geistes zu verfallen.
In der Wirklichkeit unseres Seins begibt sich alles von alleine in eine natürliche Ordnung, sobald wir uns von ganzem Herzen und mit unserem ganzen Wesen an unseren göttlichen Ursprung hingeben.
Damit erst wird die Präsenz unserer Seele in und mit unserem Körper mühelos, kraftvoll und ohne Bedauern, da die Seele sich als das göttliche Selbst ungetrennt und ungeteilt in Selbstliebe erkennen und diese auch leben kann.

In Liebe Saajid


November

Glücklich - Sein

Alle Menschen wollen glücklich sein. Wie kommt es dann, dass wir so viel Leiden in unser Leben einladen? Könnte es sein, dass wir auf die komplett verkehrte Weise unser Glück suchen? Könnte es sein, dass die herrschende Doktrin unserer Kultur auf vollkommen unglücklichen Werten, also Leiden vertiefenden Werten basiert? Was „tun“ wir also um glücklich zu werden?
Wir „tun“ nahezu alles Mögliche und Unmögliche in unterschiedlichster Art und Weise und entrinnen doch nicht unserem ganz persönlichen Leiden. Wir versuchen sogar das „einfach nur hier anwesend sein“ richtig zu „tun“. Heerscharen von Beratern, Lehrern und Ratgebern im Fernsehen, Radio, Internet, in Zeitschriften, Kursen, Seminaren und Workshops bieten uns mit stets neuen Namen und in neuer Verpackung, den gerade frisch entdeckten sicheren Weg und das neueste Rezept zum Glück an. All das hat mit immer mehr und immer besser, egal von was, zu tun. Doch es scheint als renne die Menschheit dabei immer tiefer in ihr Unglücklich-Sein hinein.

Wir leben üblicherweise auf drei Ebenen: Wachtraum, Schlaftraum und Tiefschlaf. Ist es nicht erstaunlich, dass wir uns auf der Tiefschlafebene am besten erholen? Dies ist die Ebene ohne Ich-Bewusstsein, also ohne Unterscheidung, Gedanken, ohne Handlung, ohne Produkte und Zeugs, ohne mehr und besser, ohne richtig und falsch usw.

Es ist notwendig zu erkennen, dass uns alles Tun und alles Haben ohne ein Erfüllt-Sein kein Glück beschert, sondern dass das „Sein“ die Quelle zu unserem Glück darstellt. Tun und haben folgen dann dem Sein, doch das Sein ist unabhängig von beidem.

Jemand fragte Ramana Maharshi weshalb der Geist sich trotz wiederholter Versuche nicht einwärts wenden liesse.

R.M.: Das kann nur durch Übung und Leidenschaftslosigkeit und daher nur allmählich erreicht werden. Eine Kuh, die gewohnheitsmässig auf fremden Weidengründen grast, wird sich nicht so leicht auf den Stall beschränken lassen. Sie verweigert die erste Zeit selbst das leckerste Gras und das feinste Futter, mit dem der Besitzer sie zu locken versucht; später nimmt sie es zwar an, aber die innere Neigung herumzustreunen, wird sich immer wieder durchsetzen und sie veranlassen auszureissen. Sie gewöhnt sich nur langsam an den Stall. Aber schliesslich kommt es sogar dahin, dass sie nicht einmal mehr davonläuft, wenn sie freigelassen wird. Ebenso geht es mit dem Geist: hat er erst einmal das innere Glück entdeckt, dann treibt er sich nicht mehr draussen herum.

Der im „Aussen“ herumirrende Geist wird dort nicht finden können was er im „Innen“ scheinbar verloren hat. Ein in sich ruhender Geist benötigt keine Kompensation um ein fehlendes Seins-Gefühl auszugleichen. Ein ruhender, wacher Geist ist glückliches Sein.

In Liebe Saajid


Oktober

Ichfixierung - Selbstliebe

Frage: Ungeachtet der klaren Erkenntnis meines Wesensgrundes (Selbst) hat die Ichillusion immer wieder viel Kraft und Anziehung auf mein Erleben. Warum ist das so?

Antwort: Selbst-Erkenntnis zeigt uns die Wirklichkeit unseres Seins wie sie ist, löst jedoch in keiner Weise unsere Verstrickungen, Energiebindungen und Fixierungen. Bewusstwerdung klärt die Situation. Dies kann zu Einsichten in unsere Muster, Fixierungen und Einbildungen führen. Wenn wir diese jedoch weiterhin festhalten und nähren kann keine Transformation der gebundenen Energien und Kräfte geschehen. Die Ichillusionen werden sodann weiterhin der Ausgangspunkt unseres Erlebens bilden und damit unsere Gestaltungskräfte dominieren, sowie als Folge davon wiederum unser Erleben bestimmen. Dies ist ein Teufelskreis, oder sanfter ausgedrückt ein geschlossener, sich selbst erhaltender Kreislauf.
Fast jeder Satz den wir äussern beginnt mit „Ich“. „Ich“ esse, trinke, schlafe, freue mich, bin traurig, lustig, gehe ins Badezimmer, mache Ferien, fahre Zug, Auto, Fahrrad etc. etc. und so endlos weiter. Dieses „Ich“ ist ja nicht nur verbal unser ständiger Begleiter, sondern omnipräsent als Ausgangspunkt unseres Erlebens. Diese Haltung bindet unglaublich viel Energie.
Wenn wir jedoch das „Selbst“ als Ausgangspunkt unseres Erlebens wahrnehmen und diese Erkenntnis auch in unserem Leben umsetzen so verändert sich auch unsere Energiesituation radikal.
Zum Beispiel die Wahrnehmung „Ich bin gerade in Basel“ bindet das Erleben an das Ich der Person, sowie an einen bestimmten Ort und Zeit. Die Folge ist eine subtile Energiebindung an Person, Ort und Zeit. Im Erleben des Selbst sieht die Situation anders aus, auch wenn der Satz derselbe bleibt, nämlich so: „ Mein ganzes Erleben (inkl. mein individuelles Wesen sowie Ort und Zeit) ist im Selbst und als Selbst immerzu anwesend“. Diese Wahrnehmung erzeugt keine Energiebindung an Ort, Zeit und Person und dies geschieht ohne dass ein individuelles Erleben geleugnet wird. Dies tönt vielleicht ein wenig verrückt, ist jedoch exakt das Erleben eines erwachten Menschen, der gewillt ist sein Erwachen in seinem Leben auch umzusetzen. Im Zen wird zwischen Prinzip und Funktion des Erwachens unterschieden. Es geht darum das erkannte Prinzip auch in Funktion zu setzen, oder poetischer ausgedrückt um Selbstliebe und Selbsterfüllung.

Frage: Dieser weite grenzenlose Raum macht mir in seiner Radikalität manchmal noch Angst.

Antwort: Darum nehmen wir eine lebenslange Meditationspraxis an und werden immer tiefer mit der Wirklichkeit unseres Seins vertraut.

In Liebe Saajid


September

Anhaftung?

Frage: Wie kann ich meine Tendenz zur Anhaftung überwinden?

Dies ist eine klassische Sucherfrage. In allen Religionen wird Anhaftung an weltliche Belange wie Familie, Beziehung, Sexualität, Besitz, Ruhm, Macht usw., als grosses Hindernis für die spirituelle Entwicklung beschrieben. Seit Jahrhunderten wird die Frage nach der Überwindung von Anhaftungen gestellt.
Dahinter steht ganz generell die Frage wie mit weltlichen Bedürfnissen jeder Art auf dem spirituellen Weg umgegangen werden soll.
Die Antworten der Religionen auf diese Frage nährt meistens die Annahme, dass ein spirituelles Leben nicht wirklich in ein weltliches Leben zu integrieren sei. Dies wiederum führt oft zu Weltflucht und zu Abspaltungen von Bedürfnissen und Neigungen. Dabei geht es um alles was wir glauben „zu lieben“, seien dies Menschen, Tiere, Pflanze, Dinge, Macht, Ansehen, Aussehen, Geld und so weiter.

Ein grosses Missverständnis scheint in unserer allgemeingültigen Vorstellung von Liebe zu liegen, denn das Wort Liebe wird meistens egobezogenen Bedürfnissen übergestülpt, romantisiert und auf eigennützige Weise interpretiert. Oft geht es um Begehren und sehr selten wirklich um Liebe.
Auch in Liebes-Beziehungen wird meistens Liebe mit Begehren verwechselt. Das Grundmuster von Begehren ist „Haben-wollen“ und „Vermeiden-wollen“. Sein Spielfeld sind die Täter- und Opferrollen. Der alte Spruch: „Mit Eifer sucht was Leiden schafft“ zeigt sehr essentiell um was es sich dabei handelt. Was wir begehren und was wir ablehnen, sowie die Art und Weise wie wir dies tun spiegelt den Reifeprozess unseres Egos in der Auseinandersetzung mit Bedürfnis und Bedürftigkeit.
Auch was wir gerne „freie Liebe“ nennen hat mit wahrer Liebe sehr selten zu tun, sondern eher mit Beziehungsunfähigkeit und Angst vor Bindungs-Konsequenzen.

Wahre Liebe ist unpersönlich und in sich selbst ruhend. Sie ist unberührt, wie eine leere Leinwand, welche geduldig all die farbigen Bilder des Kinofilms über sich hinweg huschen lässt.
Wahre Liebe wirkt in allem und ist doch frei von allem. Sie umfasst das Einzigartige wie das All-Eine gleichsam. Sie führt uns in unsere Leidenschaften hinein und schafft doch kein Leiden. Wahre Liebe steht hinter all unseren Motivationen und ist doch frei von unseren Vorstellungen und Ideen von Liebe.
Liebe ist das was wir sind. Sie liefert die Energie für all unser Begehren, da sie mit der weiten Stille unseres Seins und dem bewussten Sein eine Dreiheit bildet: Sat–Chit–Ananda,
das heisst Wahrheit/Existenz – bewusstes Sein – Liebe/Glückseligkeit.

Gerade weil Liebe etwas ist, das wir nicht wirklich tun, haben oder geben können, sondern was wir in unserem Wesenskern sind, kann sie uns nachhause zu unserer Wesensnatur (oder Selbst) führen. Liebe will uns kreuzigen und krönen um unsere Illusionen und Identifikationen, Abspaltungen und Trennungen, Vorlieben und Abneigungen, Glaubenssätze und Konditionierungen, Hoffnungen und Sehnsüchte sichtbar zu machen, damit wir nackt in der Wirklichkeit unseres Hierseins stehen lernen.
Liebe möchte nicht, dass wir Anhaftung unterdrücken oder überwinden, sie führt uns geradezu in dessen Zentrum, damit wir durch den Schmerz des Egos hindurch wandern können, denn dies ist die Lernaufgabe, die zu einem reifen Ego und damit erst zur wirklichen Hingabe führt.

Die Wurzel aller Anhaftung ist Abspaltung. Wir spalten uns von der Ganzheit unseres Wesens als Ego ab und suchen den Trennungsschmerz irgendwie da draussen in der Erscheinungswelt zu kompensieren. Auf diese Weise projizieren wir unser vermeintliches Glück auf alle möglichen Objekte unseres Begehrens. Ohne Verwurzelung in unserem Wesensgrund (Selbst) ist es unumgänglich durch die Katharsis unserer Verblendungen zu schreiten.

Nur das Göttliche (Selbst) kann sich mit dem Göttlichen (Urgrund) vereinen. Denn nur das Selbst ist im Selbst Eines. Daher gilt es zuerst das Selbst (unsere Wesensnatur) zu erkennen. Selbst, Urgrund und Wesensnatur sind identisch. Dies ist ein lebendiges Paradox, das ausschliesslich in der direkten und individuellen Erfahrung durchdrungen werden kann.
Das erste Erwachen offenbart unser wahres Wesen, unsere wahre Natur als Selbst. Vertieftes Erwachen ermöglicht uns dann Schritt für Schritt die Wurzeln und Ursachen unserer Energieverknotungen, Tendenzen, Identifikationen und Verblendungen zu durchschauen, zu trennen und zu erlösen. Das Selbst lernt auf diese Weise sich dem Selbst vollumfänglich hinzugeben.

In Liebe
Saajid


August

Herz und Stille Retreats

Es ist uns klar, dass wir alle nur für relativ kurze Zeit in unseren irdischen Körpern weilen, doch wir leben oft so, als ginge es hauptsächlich darum sich in der Zukunft in diesem Leben sicher und gut versorgt einzurichten. Wir sind unendlich vielen Eindrücken und Herausforderungen ausgesetzt. Wie und wann verarbeiten wir all dies wirklich?
Vielleicht empfinden wir das Leben als etwas, das dort draußen stattfindet und das „mir“ geschieht. Wenn wir jedoch diesen ganzen bunten Zirkus als unser Spiegelbild verstehen und in unser Herz hinein nehmen, so können wir das Leben selbst als unser Herz erfahren und müssen uns nicht mehr von unserem Leben abspalten.

Das ganze Universum sowie unser Ichbewusstsein mit all seinen Ichidentifikationen erscheinen in diesem einen reinen Gewahrsein ungeteilt als unser Selbst, Wesensnatur oder Buddhanatur. Dies zu erkennen, im Menschsein zu verwurzeln und auf allen Ebenen in Wirkung zu setzen ist die Grundlage einer ganzheitlichen Verwirklichung.
Solange dieses Erdenleben in unserem Bewusstsein verweilt ist ein kraftvolles und aufmerksames Bewohnen unseres Körpers die hilfreichste Ausgangslage um unsere Existenz umfassend zu beleuchten.
Selbsterfahrungsprozesse können unsere Selbst- und Weltbilder vollständig umkrempeln und gangbare Wege zu innerem Frieden weisen.

Durch die drei Säulen unseres Entfaltungs-Weges „Selbsterforschung, Selbstversenkung und Selbsterfüllung“ widmen wir uns den unterschiedlichen Aspekten unseres Hierseins. Meditation (Zazen-Vipassana) bildet dabei stets unsere Basis. Energiekreise, Sharing, Achtsamkeitspraxis und diverse sanfte Übungen für Körper, Geist und Seele, sowie Gespräche aus der Stille des Herzens unterstützen uns in den Herz und Stille Retreats.

Unsere Themen folgen spontan allem was gerade geschieht und kreisen um:

- Präsenz, Verwurzelung und Zentrierung im und als Körper.
- Selbstliebe und Selbsterfüllung, sowie die Erlösung des emotionalen Schmerzkörpers.
Der Umgang mit Wesensnahrung und Herznahrung.
Der Unterschied zwischen Emotionen und Gefühle.
- Wie wir üblicherweise Energie verlieren. Wie wir Energie bewahren und aufbauen können.
Bewusstwerdung und Ausbalancierung der Energiezentren.
- Verantwortung der Individualität und Verantwortung des Selbst.
- In Freude meditieren. Meditations-Praxis als Lebensweise jenseits von Strategien, Idealen, Hoffnungen und Wünschen.
- Das Ende von Suchen, Finden und Verlieren. Selbstverwirklichung, Entwicklungsprozesse und Zeitillusion.
Das lebendige Paradox. Erwachen als bewusstes Selbst. Bewahren des Anfängergeistes.

Vollständiges Erwachen zeigt sich in drei Aspekten unseres Erlebens:

- Das Erdenleben ebenso als Form wie als Leere (lebendige Stille) gleichwertig als Eines erkennen und leben.
- Bewusstes wahrnehmen des Lebens als Selbst (reines Gewahrsein).
- Liebe, Mitgefühl und Glückseligkeit als natürlicher Ausdruck unserer Verwirklichung.

Das Erwachen zu unserem Selbst ist bedingungslos allen Menschen zugänglich, denn es ist unsere wahre Natur welche beständig an unsere Türen klopft.

In Liebe Saajid


Juli

Lebendige Lehre

Ein westlicher Besucher begegnet in einem Kloster einem jungen Mönch: Bist du eigentlich Buddhist? Hansan war ein Bauernjunge, aber schnell von Begriff. «Ich?», fragte er unschuldig. «Ich studiere Zen Buddhismus». «Ja» sagte der Besucher ungeduldig, «das weiss ich.» «Aber bist du Buddhist?» «Du weißt doch», sagte Hansan, «dass das Ich nicht existiert. Ich verändere mich ständig. Jeden Augenblick bin ich ein anderer. Ich bin da, wie eine Wolke da ist. Du nennst mich Hansan und tust so, als ob ich gestern war, was ich heute sein werde. Aber das ist deine Sache. In Wirklichkeit gibt es keinen Hansan. Wie kann also ein unwirklicher Hansan ein Buddhist sein?» «Mach’s nicht so schwierig», sagte der Besucher. «Ich will bloß wissen, ob du ein Mitglied der buddhistischen Bruderschaft bist oder nicht.» «Ist eine Wolke ein Mitglied des Himmels?», fragte Han-san.

Wir leben in einem Zeitalter der schnellen und leider nicht wirklich umfassend, ehrlichen Informationen. Allzu leicht verfügbares Wissen, Halbwahrheiten und missinterpretierte Weisheiten verführen uns oft zu voreiligen Schlüssen, oberflächlichen Erkenntnissen und spirituellem Materialismus.
Jede eindeutig formulierte Lehre, egal wie scheinbar wunderbar und wahrhaftig, kann leicht von jedermann vertreten und von unserem Intellekt missbraucht werden. Spirituelle Lehren sind sehr anfällig für Dogmenbildungen. In unserem hektischen Leben fehlt vielen von uns die Zeit zur täglichen Praxis der inneren Versenkung und Hinwendung, sowie einer authentischen, selbsterlebten Überprüfung.

Eine lebendige Lehre ist nie absolut, stets flexibel, unbedingt paradox und nur unmittelbar „jetzt“ anwendbar.

Tiefgreifende Antworten sind für unsere Identifikationen alles andere als beruhigend. Der Weg nachhause ist durch und durch enttäuschend, da unsere Verblendungen nun mal aus Täuschungen bestehen. Dieser Tatsache gilt es sich mutig zu stellen. Nachhaltig integrativ und wirklich transformierend wirken nur spirituelle Ansätze welche auf einer langfristigen und tiefen Auseinandersetzung basieren. Die emotionalen und energetischen Konsequenzen in unserer irdischen Erscheinung sind mit einzubeziehen.

Die Wirklichkeit unseres Wesensgrundes ist tanzende Stille, Frieden, Erfüllung und Glückseligkeit. Der Pfad in die Tiefe unseres Daseins muss nicht steinig und dornig sein, sicherlich ist es jedoch ein anspruchsvoller Befreiungsweg, welcher mit grosser Entschlossenheit und kraftvoller Hinwendung beschritten werden will.

Stehende Flüsse
unter fließenden Brücken
sind leicht zu täuschen

Die Welt durchdringen heißt
mitten in der Welt zu sein
und weder dich noch die Welt
mit dir herumzutragen

In Liebe Saajid


Juni

Entwirrung

Frage: Für mich macht sich in meiner Erfahrung trotz meines Erwachens immer wieder mal mein Ego bemerkbar.
Kann es sein, dass viele Satsang- Lehrer aus Ihrem Ego sprechen obschon sie behaupten keines mehr zu haben und aus dem Sein heraus handeln?

Ja, Du siehst das richtig. Geh davon aus, dass sich viele Satsang-Lehrer und Lehrerinnen diesbezüglich unbewusst oder bewusst etwas vormachen oder verdrängen. Lass Dich nicht verwirren. Geh stets von Deiner Erfahrung aus. Ego ist nicht etwas das man loswerden oder vernichten kann. Das ist auch gar nicht nötig. Ego ist ein Bezugssystem, das wir in vielen Situationen auf dieser Erde benötigen. Es geht jedoch darum das Ego zu durchschauen, sich nicht mehr damit zu identifizieren und unseren Eigenwillen der Weisheit des Göttlichen unterzuordnen. Alles geschieht aus dem Sein heraus. Auch mit dem Ego handelt der Handelnde aus dem Sein heraus. Es ist nicht so, dass dafür zuerst das Ego verschwinden muss. Ego ist eine Fähigkeit und eine Lernaufgabe im menschlichen Leben.

F.: Was ist zu beachten für weitere Entwirrung und Befreiung?

Vertraue deinem Herzen, deinem Selbst. Es ist in jeder Situation die wissende Instanz. Eine der großen Schwierigkeiten unserer Selbstverwirklichung ist, dass es keine „tatsächliche“ Befreiung gibt, da du in deinem Wesensgrund immer schon frei bist. Ein Hindernis ist also das spirituelle Ego, das frei werden will. Die Tatsache ist, dass wir durch jahrtausendelange Einbildung uns energetisch an unsere Vorstellungen und Glaubenssätze gebunden haben. Daher ist diese Bindung nicht einfach erlöst, wenn du weißt, dass du im Grunde immer frei bist. Dies ist ein lebendiges Paradox. Darum heißt es im Zen: „Mit großer Entschlossenheit alles zu tun, was Dir möglich ist zu tun im Bewusstsein, dass „Du“ nichts tun kannst“. Es geht also darum „zu unterlassen“ und „sein“ zu lassen, ohne sich selbst aus dem Spiel zu nehmen, ohne in der Leere, in der Stille oder im Absoluten handlungsunfähig hängen zu bleiben. Es geht auch darum vom Leben berührt zu sein, anzunehmen und zu Dir zu nehmen was an Gefühlen auftaucht und mit den Ereignissen zu tanzen. Alles geschieht aus Gnade, doch wir sind zum Handeln und Teilnehmen aufgefordert. Da gibt es kein Wie? , keine Landkarte und kein Rezept.

F.: Ich weiß, dass alles aus dem Gewahrsein auftaucht und dass diese Wahrheit das Natürlichste der Welt ist. Mehr weiß ich nicht. Ich kann über das Gewahrsein nicht so toll sprechen wie andere Satsang-Lehrer. Ich bin zurzeit einfach mit meiner Unwissenheit.

Nein, das ist nicht Unwissenheit, sondern Nichtwissen. Nichtwissen ist nicht das Gegenteil von Wissen oder Unwissenheit, sondern Unschuld. Gewahrsein ist unbeschreiblich und unfassbar. Das ist so wie du sagst. Alles Weitere weist darauf hin und sind Ausschmückungen, oder Beschreibungen dessen was im Gewahrsein erscheint und geschieht. Du kannst nicht mehr in die Unwissenheit zurück. Stehe zu dem was deine Erfahrung ist. Deine Seele sucht weiterhin nach Erlösung. Das ist gut so. Suche jedoch nicht mit dem spirituellen Ego sondern mit dem Herzen.

F.: Fehlt mir noch eine gewisse Klarheit trotz des Erwachens, dass ich mir meine Fragen oft nicht selbst beantworten kann?

Erwachen löst keine Fragen und gibt Dir keine Antworten. Es ist die Lebenserfahrung und innere Reife, welche dies tut. Glaube auch hier nicht den spirituellen Lehrern, welche gerade in Mode sind und behaupten aus der Stille heraus nur die Wahrheit zu lehren. Wir leben leider in einem sehr verlogenen Zeitalter. Vertraue deinem Herzen, deinem Selbst und Deiner Intuition. Sie geben Dir die klarsten Hinweise. Wir haben heute genug frei zugängliche spirituelle Literatur für alle wesentlichen Hinweise. Es gibt kein Wissen, das unmittelbares Erleben und die Resonanz mit einem verwirklichten Menschen übersteigt. Den weglosen Weg muss jeder für sich alleine, mit oder ohne Begleitung eines Meisters, gehen. Ich verstehe unter dem weglosen Weg Selbsterforschung, Selbstversenkung und Selbsterfüllung.

F.: Was verstehst Du unter Selbsterforschung, Selbstversenkung und was gehört alles zur Selbsterfüllung?

Selbsterforschung ist das Aufgeben unserer Identifikation mit dem Psychosomatischen System (Körper-Geist-Psyche) durch das Erkennen und Verwurzeln des beobachtenden, freien Zeugenbewusstseins ( Meditation) und die dadurch ganz natürlich entstehende Hinwendung an unser ursprüngliches Selbst, welches wir immer schon sind. Dies führt zur Selbstbefreiung, was wir auch Erwachen nennen.

Selbstversenkung ist die vollständige Hingabe unseres Wesens an das ursprüngliche, ewige Selbst, das sich durch unser Erwachen offenbart. Unser Selbst wird durch fortschreitende Meditation und Vertiefung des Erwachens
wie ein Samenkorn, welches vollständig die gesamte Blume in sich trägt und doch wächst, reift und schlussendlich erblüht, verwirklicht.

Selbsterfüllung ist die Bereitschaft das Selbst in unserem Leben bedingungslos und umfassend zum Ausdruck zu bringen. Selbsterfüllung bedingt die Integration des psychosomatischen Systems, sowie die Welt der Erscheinungen in unser ganzheitliches Erleben. Es ist die Erfüllung des Selbst , das Aufblühen unseres Wesens. Dies geschieht durch Liebe. Alles geschieht durch Liebe. Es ist das Selbst alleine, das liebt. Selbstliebe führt uns nachhause.

Selbsterforschung, Selbstversenkung und Selbsterfüllung sind die drei Aspekte des weglosen Weges und doch sind sie Eines.
Dieser Weg will in Einfachheit und Entschlossenheit gegangen werden.
Weitere Fragen führen immerzu nur zu weiteren Antworten und zu weiteren Verwirrungen.

In Liebe
Saajid


Mai

Urteilen und Verurteilen

Frage: Wie gehe ich mit diesem nimmer satten Richten in mir um? Denn da ist auch ein tiefer Wunsch danach, all dieses Streben und Verbessern fallen zu lassen, bis dann etwas Neues auftaucht, was ich will, und das Selbstverbessern von neuem anfüttert.
Wie vermeide ich, dass dieses Richten ein wirkliches Weiterentwickeln verhindert?

Saajid: Du kannst nicht vermeiden, dass dieses Richten ein wirkliches Weiterentwickeln verhindert. Es ist die Funktion des Verstandes zu vergleichen, zu unterscheiden und zu benennen. Daraus entsteht die Tendenz zu richten. Unser Strafvollzugssystem ist auf dieser Verstandestendenz aufgebaut. Ja es ist ein unfähiges System, das im Prinzip einfach nur auf „Rechthaben“ und nicht auf „Gerechtigkeit“ basiert. Zu verdanken haben wir dieses System unserer verstandesdominierten Gesellschaft. Unser Verstand ist angstorientiert und glaubt im Rechthaben die Lösung zu finden.
Den Verstand jedoch als Feind zu betrachten, wie dies oft in spirituellen Kreisen gelehrt wird, ist fatal. Unser Verstand wird immer seine Aufgabe erfüllen und das soll er auch. Unterscheidungskraft ist eine Fähigkeit. Wenn diese Fähigkeit gestört oder gar zerstört wird, so ist unser Leben sehr eingeschränkt, oder gar unmöglich. Doch Unterscheidungs- und Urteilskraft muss nicht zwangsläufig zu Verurteilung, Rechthaberei und Verhärtung führen.

Da ist auch ein tiefer Wunsch danach, all dieses Streben und Verbessern fallen zu lassen, bis dann etwas Neues auftaucht, was ich will, und das Selbstverbessern von neuem anfüttert.

Ja genau so funktioniert der Verstand. Das ist gut so. Nicht weil es toll ist, sondern, weil er einfach so funktioniert. Dies ist eine gottgegebene Fähigkeit. Die Schwierigkeit ist nur dass wir unser Erleben so sehr auf diese eine Fähigkeit abstützen. Dabei haben wir doch so viele andere Fähigkeiten zur Wahrnehmung und Verarbeitung unseres Erlebens zur Auswahl.
Der Schlüssel liegt bei: „Bis dann etwas Neues auftaucht, was ich will, und das Selbstverbessern von neuem anfüttert.“
Für den Verstand ist immer gerade das wohin seine Aufmerksamkeit gelenkt wird das Interessanteste, also das „was ich will“. Dieses „ich“ ist nicht das was Du wirklich bist, sondern nur ein Bündel Identifikationen und Glaubenssätze, welche Du in Deinem Verstand angehäuft hast. Daher funktioniert zurzeit das was Du willst nach der Funktionsweise Deines Verstandes.

Wie gehe ich mit diesem nimmer satten Richten in mir um?

Damit zu kämpfen ist ein Programm des Verstandes. Der Verstand kämpft mit dem Verstand. Das ist selbstzerstörerisch.
Gehe nicht damit um. Lasse es so wie es ist. Entspanne Dich damit und bleibe in Frieden. Dies gelingt dadurch indem Du erkennst, dass es innerhalb des Verstandessystems keine Lösung geben kann. Die Aufgabe des Verstandes ist zu vergleichen und zu unterscheiden, also zu trennen. Der Verstand ist sehr gut für Kriegsführung, jedoch nicht für die Befriedung. Der Verstand will unter allen Umständen recht haben.
Reagiere nicht auf die Programme Deines Verstandes. Dies ist der erste Schritt.
Der Verstand erzählt Dir was er will (soll er doch), doch Du hörst nicht auf ihn und musst auch nicht seine Ratschläge umsetzen.
Der zweite Schritt ist Meditationspraxis. Regelmäßiges stilles Sitzen. Meditation stärkt die Beobachtungsgabe und wir lernen dadurch „sein zu lassen“ ohne wissen und glauben zu müssen. Wir schauen durch die Dinge hindurch zu ihrem Wesensgrund.

Nimm vollumfänglich am Leben teil,
sei dir deines Denkens, Fühlens und deines Handelns bewusst,
nimm alles wahr was geschieht, denn alles kommt und geht,
dann nimm das Gewahrsein selbst wahr, das was sich gewahr ist.

In Liebe Saajid


April

Zeit verschwenden

Was meinten die alten Zenmeister damit, wenn sie uns immer wieder sehr eindringlich und mit großem Mitgefühl: „Verschwende nicht Deine Zeit!“ entgegen riefen?

Wahrscheinlich denken wir dabei an unsere sinnlosen Freizeitbeschäftigungen, Fernsehabende, leeren Plaudereien, unseren zur Routine erstarrten Beruf oder Alltag, vielleicht an unsere in Kompromisse festgefahrenen Beziehungen. Auf jeden Fall denken wir an etwas wichtiges, oder sicherlich wichtigeres, als das mit dem wir gerade zugange sind. Doch „Verschwende nicht Deine Zeit“ meint nicht unser Wichtigkeiten und Unwichtigkeiten, oder das was wir glauben, was für uns besser, richtiger, bekömmlicher, erstrebenswerter und edler sei. Es geht hier nicht darum mit was wir unsere Zeit verschwenden, sei das mit Suchtverhalten, Ausschweifungen und Ablenkungen oder mit Tugenden, edlen Verhaltensweisen und Rechtschaffenheit.

„Verschwende nicht Deine Zeit!“ ist die Forderung nach Gegenwärtigkeit. „Erlebe Deine Erfahrungen ganz und umfassend, egal was für Erfahrungen das sind!“

Wir glauben vielleicht dass Erfahrungen einfach so geschehen wie wir sie halt eben wahrnehmen. Aber das stimmt nicht wirklich. Selten finden wir einen Menschen und eine Situation in der eine Erfahrung „ganz und umfassend“ gelebt wird. Meistens sind wir nur halb, oder überhaupt nicht, in unseren Erfahrungen anwesend. Meistens sind wir in aktuellen Lebensereignissen mit unseren Meinungen und Ansichten beschäftigt. Die Gegenwart findet statt während wir über unsere Vergangenheit oder Zukunft nachdenken.

Wir sind jedoch nur wirklich in unserer Zeit, wenn wir in diesem Augenblick auch vollumfänglich anwesend sind. Ansonsten verschwenden wir unsere Zeit mit Träumereien, Phantasien, Ideen, Vorstellungen und Grübeleien. Obschon alle Verstandesaktivitäten sehr nützliche Eigenschaften für uns haben, so führen sie uns doch bei übermäßigem Gebrauch in eine Traum-Trance und zu verdichteten Einbildungen. Wir überlagern auf diese Weise all unsere lebendigen und tatsächlichen Erfahrungen in unserem Leben.

Wenn wir uns in diesem Augenblick unserer tatsächlichen Erfahrung mit ungeteilter Aufmerksamkeit vollumfänglich zuwenden, so öffnen sich zwei Türen zur tieferen Wirklichkeit. Die eine Türe ist die Erkenntnis, dass jede Erfahrung in sich vollkommen ist. Das heißt, dass all unser Suchen und Sehnen immer nur in diesem unmittelbaren Augenblick ihren Anfang und ihr Ende nehmen kann. Das Erreichen von spirituellen Zielen und jedes idealisierte Ankommen irgendwo, kann dadurch relativiert werden. Das andere Tor führt zum Erkennen das all unser Erleben in der Ewigkeit geschieht. Das heißt, dass wir uns immer und ausschließlich in der Ewigkeit befinden und unsere Zeit in der Ewigkeit stattfindet. Es gibt keinen anderen Augenblick als diesen!

Gerade weil im Grund das Eine „alles“ ist, so benötigen wir eine vollumfängliche Hinwendung an das Einzelne in seiner Einzigartigkeit um dieses Eine in unserem Hiersein zu verwirklichen! Das Einzigartige ist im „Ich-bin“ all-eins. Unser individualisiertes Wesen bezieht aus dem Ich-bin seine Wirkkraft. Das Ego ist eine konzeptuelle Verschleierung unseres individualisierten Wesens.

Extraschlaue pochen darauf, dass im Bewusstsein-beobachtenden-Sein außer Bewusstsein „nichts“ zu finden sei. Vielleicht sollten sie dieses Nichts mal etwas genauer anschauen.

Wenn unser Auge behaupten würde, dass es nicht wirklich existiere nur weil es sich selbst nicht sehen kann, so nennen wir dies Unsinn. Ebenso unsinnig ist es zu behaupten, dass es mich nicht wirklich gäbe nur weil das Ich-Bewusstsein kein Ich finden kann.

Selbstverantwortung bedeutet jede Erfahrung in unserem Leben total und unvoreingenommen zu erleben und uns selbst als träumende, egoverliebte Einbildungen aus dem Wege zu gehen.

Sich selbst aus dem Weg zu gehen heißt nicht Ichlosigkeit oder Beliebigkeit der spielenden unpersönlichen Existenz.
Sich selbst aus dem Weg zu gehen heißt Verantwortung für die Ich-Fähigkeit zu übernehmen.

In Liebe Saajid


März

Begehren und Anhaften

In allen Bereichen unseres menschlichen Daseins finden wir Maßlosigkeit, Begehren und die Steigerungsform Gier, sei es in der Politik und Gesellschaft als das Streben nach Macht und Anerkennung, oder in Wirtschaft und Kultur als Raffgier und Ruhm, in Beziehungen und Familie als Dominanz, Ausbeutung. Missbrauch ….. und so weiter – die Liste scheint endlos.
Wer kennt nicht diese Anziehungskraft, welche wir allgemein „Begehren“ nennen, sowie die darauf folgende Anhaftung und das Leiden, welches dadurch verursacht wird? Niemand möchte Leiden, also versuchen wir die verursachenden Tendenzen los zu werden. Dies bringt uns jedoch in eine schizophrene Situation, denn wir können das Begehren nicht lassen und möchten das Leiden loswerden. Es ist ein Teufelskreis.
Ein Zenmeister sagte dazu: „Kein Schwert trennt so sehr und schneidet so tief wie das Habenwollen und das Vermeidenwollen.“ Vermeidenwollen hat dieselbe Leidensstruktur wie das Habenwollen, da diese nur der positive und der negative Aspekt desselben Verlangens darstellen.

Wir können die zugrundeliegende Kraft des Begehrens nicht ausrotten, da sie einem natürlichen und existenziellen Bedürfnis des Menschen entspricht, nämlich der Sehnsucht nach Erfüllung und Ganzheit, sowie der Überwindung von Mangel und Trennung. Dahinter steht die Hoffnung irgendwie nachhause zu unserem Eins-Sein zu gelangen. Es ist der Ruf des verlorenen Paradieses der uns weiter in die Sehnsucht treibt. Im Grunde jedes Begehrens versteckt sich also die Sehnsucht nach Selbstliebe, denn nur umfassende Selbstliebe kann das nagende Gefühl von Mangel und Trennung wirklich nachhaltig beenden.

Ebenso können wir unserem Begehren nicht frei die Zügel schießen lassen, da es uns immer und ausnahmslos ins Leiden führt. Dies muss jedoch so sein, denn sonst hätten wir keine Möglichkeit zu erkennen, dass wahres und nachhaltiges Glück nur in der Selbstliebe seine Erfüllung finden kann.
Wie oft versuchen wir es allen Menschen, allen Situationen und uns selbst, recht zu machen. Wir glauben dies aus Liebe zu tun. Wenn wir jedoch genauer hinschauen können wir dahinter unsere unangenehme und verdrängte Bedürftigkeit entdecken und vielleicht erkennen, dass wahre Liebe nichts mit Bedürftigkeit zu tun hat.

Wirkliche Liebe ist ungebunden und bezieht sich auf niemanden und nichts. Sie ist das was wir in unserem Wesensgrunde sind. Daher kann wirkliche Liebe nie mit Bedingungen in Bezug gebracht werden. Wir werden geliebt weil wir sind, einfach weil es uns gibt - bedingungslos. Solange wir durch Entsprechungen und Verdienst geliebt werden möchten, landen wir stets in einer Leidensgeschichte.
Der Auslöser unserer Kompensationen ist stets ein Mangel an Selbstliebe, welcher tief in jedem Begehren wohnt. Wir suchen im Außen das zu befriedigen, oder befriedigt zu bekommen, was wir im Innern existenziell so sehr benötigen, jedoch nicht sehen können und schwer aushalten – Die wahre Liebe.
Was wir stattdessen fühlen ist das schwarze Loch des Selbstliebemankos. All unsere Bemühungen dieses Loch zu kompensieren können nicht anders als über kurz oder lang scheitern.
Das Begehren auf immer wieder neue Weise zu befriedigen (be-frieden) funktioniert nicht. Das Leiden im Begehren zu vermeiden, das Begehren zu unterdrücken, oder das Begehren selbst auszulöschen funktioniert auch nicht. Was also tun?

Zuerst gilt es abzuklären, ob wir uns nicht einfach etwas ganz Natürliches aus irgendwelchen Glaubenssätzen heraus verwehren und ob es sich wirklich um eine kompensierte „Sehn-Sucht“ handelt, welche uns an unser Leiden bindet.
Die Einsicht, dass wir dort wo wir üblicherweise Befriedigung suchen diesen Frieden nicht nachhaltig finden können und dass die Grundlage jedes Begehrens die Suche nach Selbstliebe ist, sind dann der erste Schritt.
Der zweite Schritt ist jegliches Begehren das in uns erscheint liebevoll zu akzeptieren und vollumfänglich im Bewusstsein anzunehmen, im Verständnis, dass ohne die Kraft des Begehrens kein spiritueller Weg je begonnen werden kann.
Der dritte Schritt ist vollumfängliches Gewahrsein im „Seinlassen“ dessen was sich zeigt, ohne damit in Aktion zu treten. Dieser dritte Schritt ist auch die Grundlage von Hingabe, Heilung und Meditation.


Wenn die Weite
unseres Seins sich öffnet
wird Selbstliebe
zu Glückseligkeit

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In Liebe Saajid


Februar

Wahrheit
Keine Überzeugung von Wahrheit hat je mit Wahrheit zu tun. Überzeugungen sind immer und ausschließlich Einbildungen.

Glücklicherweise gibt es nicht die eine absolute Wahrheit. Es gibt so viele Wahrheiten wie Standpunkte - und alle sind auf den jeweiligen Standpunkt bezogen wahr.

Wirklichkeit
Glücklicherweise gibt es nicht die eine absolute Wirklichkeit. Wirklichkeit ist so vielschichtig wie unsere Erlebnisfähigkeit. Wenn du dich auf eine Erlebnisebene fixierst, so wirst du wahrscheinlich dazu tendieren diese als absolut zu bezeichnen.

Meditation ist „Seinlassen“. Meditation ist ohne Anfang und ohne Ende.
Ob als Neuling oder als Meister, wir sollten auf jeder Entwicklungsstufe und auf jeder Verwirklichungsebene „Seinlassen“ praktizieren.



Das Lied der Stille

Es ist das Lied der Stille
das durch die Stille klingt

und die Stille
die in die Stille sinkt.

Es ist die Stille
die sich als Stille erkennt

und die Liebe,
welche im Herzen der Liebe brennt.

Es ist das Gewahrsein
das sich als Gewahrsein
dem Gewahrsein zeigt,

Bedingungslosigkeit
welche sich vor sich selbst verneigt,

erfüllte Leere
in der Leerheit der Fülle,
als Hüllenlosigkeit, ohne Hülle.

Gewissheit im Nichtwissen
von hier nach hier
kein ich, kein du, kein wir.

Es ist das Lied der Stille
das durch die Stille klingt

und die Stille
die in die Stille sinkt.

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In Liebe Saajid


Januar

Die Welt - Illusion und Realität

Wir Menschen sind Träumer und Geschichtenerzähler. Wir sehen in dieser Welt so vieles das wir uns lediglich einbilden, doch das was wirklich ist sehen wir meistens nicht. Daher haben viele Weise und Heilige uns darauf hingewiesen, dass unsere Welt, so wie wir sie erleben, Samsara (eingebildet) sei.

Egal was die Welt mir schenkt oder verweigert nichts in der Welt
kann mir geben - was ich bin.
Egal wie sehr ich mich bemühe, egal wo und wie sehr ich suche,
nur im Selbst ist das Selbst zu finden.

Diese wertvollen Einsichten führten jedoch im unreifen Geist vieler Menschen aller Kulturen und Zeiten zu einer Konditionierung der Ignoranz und Mangel an Wertschätzung gegenüber unserem Planeten Erde und zum Missverständnis, dass unsere Welt nur eine Art Illusion unserer Wahrnehmung sei. Mit einer solchen Haltung boykottierten und boykottieren wir weiterhin unsere Verantwortung für unser Leben und unseren Lebensraum.

Mein Körper bewegt sich in der realen Welt, aber meine Erlebniswelt bewegt sich in meinem Geist (Verstand).

Wir sollten also tunlichst zwischen der realen Welt der Erscheinungen und der subjektiven Erlebniswelt unserer Wahrnehmung unterscheiden lernen. Die reale Welt ist eine formgebundene Erscheinung unseres kollektiven Wesens als Menschheit. Unsere Kulturen, Gesellschaftsstrukturen, und Ereignisse auf diesem Planeten sind Manifestationen der Spiegelung unseres Bewusstseins.
Wir sollten daher gemeinsam als vereinte Menschheit für eine gesunde, natürliche und umfassende Vielfalt unseres Planeten einstehen.
Jeder Mensch erlebt sein Erdenleben durch rein subjektive Wahrnehmung als Erlebniswelt seines Individuums und je nach Entwicklungsstand seines Bewusstseins mehr oder weniger leicht, lichtvoll, oder schwer beladen und dunkel eingefärbt.

Bewusstseinserweiterung ist nicht nur nötiger denn je, sie wird mehr und mehr zum Überlebensfaktor der gesamten Menschheit auf unserer Erde.

Die meisten Menschen denken dass das Erleben ihres Lebens irgendwie kontinuierlich, linear und individuell fixiert sei und als „so bin ich eben“ zu ihrer Eigenart gehöre. Dies ist jedoch ein schwerwiegender Irrtum mit katastrophalen Folgen, wie wir am Zustand unserer Erde und unserer Kulturen ablesen können.
Auf der anderen Seite stehen zunehmend spirituell verbildete Menschen, welche sich auf ihre seichte Besserwisserei enorm viel einbilden
Wir sollten dringend die Verantwortung für die Art und Weise unseres Erlebens und die Weiterentwicklung unseres Bewusstseins übernehmen.

Wir erwarten von unserem Erleben, dass das Aussen, also unsere Mitmenschen, unsere Umwelt und unser Umfeld, sich auf eine bestimmte Weise verändern, damit wir einen Grund haben um glücklich zu sein. Diese Haltung ist jedoch komplett verdreht!

Der Zustand unserer Erde folgt nach und nach der Art und Weise unseres Erlebens und nicht umgekehrt, ungeachtet dessen ob unser Verstand damit einverstanden ist oder nicht!
Freundlichkeit, Freude, Glücklich-sein, Leichtigkeit und Humor benötigen keinen Grund!

Verantwortung ist die Fähigkeit aufbauende Antworten auf die Schwierigkeiten unseres Lebens zu finden. Dies kann nur mit uneingeschränkter und lebensbejahender Handlungsfähigkeit gelingen.

In Liebe Saajid


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