Monatsbotschaft

Ganzheitliche Individualität


Buddhanatur ist lebendige Stille, der göttliche Wesensgrund allen Seins. „Es“ verbreitet und postuliert keine Wahrheiten, interpretiert und erklärt keine spirituelle Weisheiten und leitet aus fremden oder eigenen Erfahrungen auch keine allgemeingültige Rechthaberei ab. Buddhanatur oder auch das Selbst genannt, ist einfach so wie „Es“ ist; unfassbar, offen, weit und unendlich gleichmütig und zwar mit allen Geschehnissen, egal ob sich daraus relative oder absolute Wahrheitsansprüche ergeben. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass erwachte Menschen die unterschiedlichsten Thesen vertreten. Interpretationen und Projektionen sind menschliche Fähigkeiten, welche sich über Jahrzehnten und Jahrhunderten hinweg in unserem System verankert haben. Diese verlassen uns nicht durch Einblicke oder Realisationen unserer göttlichen Natur.

In den letzten Jahren wurden immer wieder die Thesen keinen freien Willen zu haben, sowie nicht der Handelnde zu sein, aufgeworfen. Diese oft missverstandenen Aussagen sind nicht wirklich neu und ausschliesslich dem Advaita zu eigen, sondern sind in ähnlicher Weise auch im Christentum zu finden. Da jedoch solche Aussagen oft falsch verstanden und leicht zu Dogmen werden, kann uns damit auch sehr einfach unsere Individualität und somit auch unsere Verantwortlichkeit abgesprochen werden.

Die Wahrheit ist nicht einfach Schwarz oder Weiss; so oder so. Die Existenz lässt sich nicht einfach in „entweder oder“ einpacken. Sicher ist, dass wir, solange wir uns mit einem menschlichen Körper in der Welt der Dualität bewegen und dazu fähig sind diesen als unserem Wesen zugehörig wahrzunehmen, einen Willen haben und dass wir nicht umhin kommen diesen auch anzuwenden. Dieser Wille ist mehr oder weniger durch unsere Glaubenssätze, Welt- und Selbstbilder konditioniert und daher nicht wirklich als frei zu bezeichnen. Der egoistische Aspekt einer unreifen Individualität hilft uns also nicht dabei die abgespaltenen Vorstellungen einer uneingeschränkten Freiheit zu verwirklichen.

Die Frage ist wohl eher, ob wir eine scheinbare Freiheit „haben“ wollen, welche ja eigentlich ausschliesslich im Verneinen und Abspalten unseres allumfassenden Wesens besteht, oder Freiheit „sein“ wollen. Freiheit zu sein offenbart sich in der Auflösung der uns angeeigneten egoistischen Neigungen und Tendenzen und dies geschieht durch Bewusstwerdung und Hingabe. Doch die Verantwortung unseres irdischen Lebens umfasst auch die Reifung unseres Egos und dessen Transzendierung bis hin zur umfassenden Bereitschaft unsere Individualität wirklich „ganzheitlich“ zu leben und zu entfalten. Wird jedoch durch eine falsche Vorstellung von Ego und Hingabe diese Verantwortung nicht wahrgenommen, so öffnen wir Willkür und Missbrauch die Tore.

Nicht der Handelnde zu sein bekommt für uns erst wirklich eine Bedeutung, wenn wir durch Transzendenz und Integration unseres „gereiften“ Egos die verknoteten Energien, oder auch karmische Kräfte genannt, soweit befreit haben, dass unsere Handlungen nicht länger unseren Neigungen und Tendenzen folgen. Wenn wir jedoch zu früh, das heisst gleich nach dem ersten Erwachen, die Idee des Nichthandelnden in Anspruch nehmen, so bilden wir uns ein aus unserem Gefängnis ausgebrochen zu sein wohingegen wir nur aus den vergitterten Fenstern schauen.

Die Ich-Vorstellungen und dessen Gedankenketten aufzugeben ist tatsächlich der Schlüssel zum Erwachen des Selbst und dessen Verwirklichung. Jedoch bedeutet das Ende der Ich-Vorstellungen keinesfalls die Auflösung des naturgegebenen individuellen Aspektes unseres Wesens.

Ein Besucher, welcher überzeugt davon war dass paramatma (das höchste Selbst) verschieden sei von jivatma (das individuelle Selbst) stellte diese Frage an Ramana Maharshi. Dieser beseitigte seinen Zweifel mit der Feststellung: „Trennen sie die begrenzenden Bedingungen -param und jiva- von atma ab und sagen Sie ob Sie dann noch einen Unterschied finden. Sollte das Problem später wieder auftauchen, dann fragen sie sich: Wer zweifelt? Wer ist der Denker?“

Atman (die Seele) und Brahman (der universelle Aspekt des Göttlichen), Form und Leere, das Verkörperte und das Entkörperte, sowie Sein im Sinne von Manifestation und Nicht-Sein im Sinne des nichtmanifestierten Einen, sollten keinesfalls getrennt betrachtet werden, denn sie sind Eines. Tat Tvam Asi "Das bist du – du bist Das".

In Liebe Saajid




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