Monatsbotschaft

Lebendige Stille


Frage: Ist es wirklich notwendig emotionale und energetische Prozesse zu machen? Genügt es nicht sich einfach der Stille hinzugeben?

Antwort: Was unter Stille verstanden wird könnte unterschiedlicher nicht sein. Es gibt eine Stille als Flucht vor Lärm und Geschäftigkeit und als Rückzug für eine Art geistiger Erholung nach Stressaufbau und chronischen Überforderungen. Desweiteren eine Stille des emotionalen Rückzuges, welche eine Art Fluchtraum unseres Emotionalkörpers darstellt. Es gibt eine Stille des energetischen Rückzuges in welchem wir eine Art Auflösung unserer Individualität suchen, um eine vermeintliche Verschmelzung, oder Auflösung herbeizuführen. Ebenso eine Stille der Hoffnung und Sehnsucht, durch welche wir die Wünsche unseres spirituellen Ichs erfüllen möchten. Auch eine Stille des Eintauchens, welche wir gerne als unsere Stille bezeichnen und die wir immer wieder auszudehnen versuchen, in welcher wir hartnäckig hinein wollen, sowie darin verbleiben möchten. Sowie eine Stille der Abwesenheit von allem Anwesenden, welche oft mit der Erfahrung von Leerheit verwechselt wird (denn in der Leerheit bleibt alles Anwesende bestehen, wird jedoch als das gesehen was es wirklich ist). Oft bleiben wir eben an einer durch unseren Geist gefärbten und projizierten Stille hängen.

Diese oben genannten Arten von Stille haben nur fragmentarischen Anteil an der lebendigen Stille unseres Wesengrundes, denn wahre Stille ist nur mit einem leeren und klaren Geist als unsere Wesensnatur erkennbar.
Sie ist das was wir in Wahrheit immer und auch gerade jetzt sind, nämlich reines wahrnehmendes Sein - Gewahrsein. Ein Ich kann nicht in die lebendige Stille hinein gehen, denn sie ist ja unsere wahre Natur vor jedem Ich. Sie ist aus sich selbst leuchtende Wirklichkeit (Seele) und sich selbst bewusste Bewusstheit.
Lebendige Stille ist integrativ und umfasst den ganzen Menschen. Eine ganzheitliche Verwirklichung kann nur auf der Basis der Offenheit, der Akzeptanz und des heilenden „Zu-sich-Nehmens“ in allen Bereichen des menschlichen Erlebens stattfinden. Dies bedeutet zum einen die Anerkennung der Funktionsweise unserer Psyche (Selbsterforschung) und die Bereitschaft zur Erkundung und Öffnung unserer psychischen Kerker, zum anderen die Fähigkeit des Geschehenlassens und Umarmens der dadurch stattfindenden inneren Prozesse.
Natürlich ist die Hingabe an die lebendige Stille (Meditation) die Basis jeder ernsthaften und authentischen spirituellen Entfaltung. Alle Menschen erleben jedoch auf ihrem spirituellen Weg auch emotionale, sowie energetische Prozesse und viele benötigen oft auch therapeutische Interventionen oder Selbsterfahrungsgruppen. Nur sehr wenige in unserer Zivilisation aufgewachsene Menschen sind bereit und fähig der dunklen Nacht ihrer Seele ausschließlich durch Zazen, Vipassana oder Dhyana (Meditation) zu begegnen. Außerdem weisen uns unsere Neigungen und Tendenzen, sowie unsere Bindungen (Karma) in die Schranken unseres Schicksals.
Wenn wir uns wirklich tiefer auf die wahre Natur unseres Wesens einlassen wollen benötigen wir einen authentischen und erfahrenen Wegbegleiter. Für viele Menschen sind das spirituelle Lehrer und Meister. Doch auch einen Meister definieren wir oft sehr unterschiedlich und projizieren unsere Vorstellungen und Erwartungen auf ihn. Es gilt zu bedenken dass ein wahrer Meister immer nur Meister für sich selbst (als Selbst), nicht jedoch für jemanden anderen sein kann. Für das Selbst gibt es niemand anderen. Er/sie ist unser äußeres Selbst, das uns unser inneres Selbst spiegelt. Hier gilt: Achte auf die wegweisende Richtung des Zeigefingers und hänge dich nicht an den Finger des Wegweisers.

In Liebe Saajid



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